Brände 1794-1948 - FFW Oerrel

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Brände 1794-1948

- Geschichte
von der Nachbarschaftshilfe zur Freiwilligen Feuerwehr Oerrel

Das Feuer war schon immer Fluch und Segen für die Menschen. Zum Wärmen, Kochen, Braten und anderen nützlichen Dingen war das Feuer eine große Errungenschaft. Doch wenn das Feuer außer Kontrolle gerät, wird und wurde es schnell zur Katastrophe für ganze Dörfer und Städte.  
Größere Brände hat es in früheren Zeiten auch in Oerrel immer wieder mal gegeben. Das geht aus alten Chroniken und aus Büchern, wie z.B. dem Buch “Munster - Geschichte und Geschichten” von Wilhelm Wolter hervor. Die Geschichte(n) dreier Brände aus diesem Buch seien hier in Kurzform wiedergegeben.

1794 schlug am 25. Juni ein Blitz während der Heuernte in den Speicher des Joh. Christoph Marcks in Oerrel ein und zerstörte auf dem Hof bis auf eine Scheune und ein abseits gelegenes Backhaus sämtliche Gebäude, fünf an der Zahl: Wohnhaus, eine Scheune, zwei Speicher und einen Schafstall. Die Nachbarn kamen zwar sofort zur Hilfe und versuchten zu retten, was noch zu retten war. Tatsächlich konnte das Vieh auch noch herausgeholt werden. Dabei wurden in der Aufregung aber die Ochsen und Kälber im Nebengebäude vergessen. So mußten drei der besten Ochsen und fünf Kälber bei lebendigem Leibe verbrennen. Das Brandgeld betrug 425 Taler.
Die oft schweren Sommergewitter waren sehr gefürchtet, da alle Häuser des Dorfes zu dieser Zeit mit Stroh gedeckt waren und dadurch bei Blitzschlag großer Schaden angerichtet wurde. Dies galt nicht nur für Oerrel, sondern für alle Dörfer in der Heide. Schlug der Blitz ein, fand das Feuer reichlich Nahrung in den weich gedeckten Dächern. Dabei zerstörte es meistens auch wertvolles Gut in den hölzernen Scheunen und Speichern.

1803 kam es am 16. Juli zu einem nicht ganz alltäglichen Brand in der Heide beim Oerreler Moor. Der Frachtfuhrmann Hans Hinrich Schultze aus Sültingen war mit zwei anderen Fuhrleuten unterwegs von Hannover nach Hamburg und weiter nach Lübeck. Er fuhr als letzter der drei und hatte es sich nach der Rast im Heimatdorfe Sültingen recht behaglich unter seinem Laken auf dem Fuhrwagen gemacht. Oerrel war schon vorbei. Als er sich in der Heide jetzt tief in seinem Wagen zurücklehnte hörte er hinter sich plötzlich ein Knetern, als ob etwas zerbrochen wäre. Da er aber nichts feststellen konnte, glaubte er, über Buschwerk gefahren zu sein und fuhr getrost weiter.
Nach kurzer Zeit gewahrte er jedoch mächtigen Qualm hinter sich. Er stieg schnell ab und fand zu seiner größten Überraschung, daß es im Wagen brannte. Sofort rief er die beiden anderen Fuhrleute herbei und riss inzwischen das Laken vom Wagen. Damit hatte das Feuer aber so richtig Luft bekommen und brannte nun erst recht mit großer Flamme. Um wenigstens die Waren zu retten, versuchte er, mit den herbeigeeilten Fuhrmännern den Wagen umzuwerfen. Sie zwangen den Wagen aber nicht und mußten zusehen, wie alles verbrannte. Schon bald brach der Boden durch, und ein Teil der Waren stürzte zur Erde, wo etwas herausgegriffen werden konnte.  
Was war nun die Ursache dieses Brandes, den man heute allgemein als Fahrzeugbrand (Pkw-Brand) in den Statistiken geführt hätte? Der Fuhrmann selbst vermutete, dass zahlreich umher strolchendes Kriegsvolk ihm einen Streich gespielt haben könnte. Doch der Schäfer Joh. Christoph Marx, der an demselben Tage in der Nähe seine Schafe gehütet hatte, wollte zwei verdächtige Gestalten gesehen haben, die sich immer umsahen und dann eilig auf Trauen zu verschwanden.
Der nächste Tag war ein Sonntag, an dem die Frau des Veestherrn Cordes aus Oerrel die Kirche in Munster aufsuchte und dabei von zwei Mädchen aus Trauen erfuhr, daß gestern zwei verdächtige Kerle in Trauen gewesen wären. Sie wären zufällig Zeuge eines Gesprächs geworden, wie der eine zum anderen sagte: “Das hättest du doch nicht machen sollen, was hat dir der Fuhrmann getan?” Worauf der andere erwidert hätte: “Ich habe die Pferde doch noch wiehern hören, es wird ihnen also nichts geschehen sein.”
Aufgrund dieses Geredes ging der Veestherr sofort nach Trauen, konnte dort aber nur noch feststellen, daß die beiden Kerle blaue Röcke getragen, große Schnurrbärte gehabt hätten und noch am gleichen Abend nach Müden weitergezogen seien. Wie die Sache weiter auslief, ist leider nicht mehr zu erfahren. Der Veestherr ist nur noch mit dem Schäfer zusammen zum Amtmann nach Ebstorf gegangen, um die Aussagen zu Protokoll zu geben. Der Fuhrmann selbst war nicht mit, da er beim Brand an Händen und Füßen stark verletzt worden war und deshalb den Weg zum Amt nicht mitmachen konnte.
Dieser Kartenausschnitt aus der Kurhannoverschen Landesaufnahme des 18. Jahrhunderts, die von Offizieren des Hannoverschen Ingenieurkorps 1775 aufgenommen wurden, zeigt die Lage des Heidkrugs zwischen Oerrel und Brambostel.
Quelle: Auszug aus den Geodaten des Landesamtes für Geoinformation und
Landvermessung Niedersachsen ©2020
Homepage des LGLN www.lgln.de
1805 kam es zu einem Brand, der den 1769 in der Heide zwischen Oerrel und Brambostel an einem Arm der alten Heerstraße mit behördlicher Genehmigung gegründeten Neuen Heidkrug in kurzer Zeit vernichtete. Das trocknene, strohgedeckte Haus brannte am 17. März 1805 so schnell nieder, daß der Pächter und Wirt Joh. Christoph Kohlmeyer nur sein nacktes Leben retten konnte und sein Hab und Gut mitsamt seinen beiden Kühen verlor. Nur sein Oberbett hatte er bei einem Rettungsversuch noch zu fassen bekommen. Löscharbeit war nicht möglich, da das Wasser fehlte. So einsam die Gegend dort heutzutage ist – dort steht heute die Brunnenhütte mit einem angedeuteten Brunnen - so belebt war sie in jenen Tagen, da noch die Salzfuhrwerke aus Lüneburg durch die Heide zogen.
Als Brandstifter wurde zuerst der Imker Hans Tewes aus Trauen angesehen, der auf seinem Weg zur Arbeit nach Medingen als einziger Gast kurz vorher im Krug gewesen war und ein sonderbares Benehmen an den Tag gelegt hatte. Doch der Pächter Kohlmeyer glaubte bei der Vernehmung selbst nicht daran, zumal der Imker seine Pfeife unangesteckt auf dem Tisch liegen gelassen hatte. Wahrscheinlich war beim Heizen ein Funke auf das Stroh in der Krippe gefallen, die ganz in der Nähe des Ofens stehen mußte, weil das schlecht gebaute Haus keinen anderen Platz zuließ.  
Der Heidkrug wurde von der Versicherungssumme wieder neu aufgebaut und dem alten Pächter Kohlmeyer überlassen, der dann in den nächsten zehn Jahren so viel herauswirtschaftete, daß er ihn 1819 für eine Kaufsumme von 1425 Talern vom Eigentümer Refard aus Wriedel erwerben konnte. Der Heidkrug blieb aber nur solange von Bedeutung und existenzfähig, wie noch der Verkehr auf der Heerstraße vorbeiführte und verschwand, als sich die Verkehrssituation änderte.

Dieser Rückblick auf die Brände in Oerrel zeigt, wie wichtig es war, dass in späteren Jahren Vorschriften zur Brandvorbeugung in den Feuerordnungen herausgegeben und konsequent überwacht wurden. Dennoch kam es auch danach immer wieder zu großen Bränden.

Waldbrände spielten in Oerrel erst mit der Aufforstung der großen Heideflächen zur Jahrhundertwende eine Rolle. Die nachfolgende Auflistung lehnt sich an die von Oberförster Georg Helms zum 40-jährigen Jubiläum der Feuerwehr Oerrel 1988 erstellte Chronik an, wobei nicht genau bekannt ist, aus welchen Quellen diese Angaben stammen. Vermutlich rühren sie aber aus alten Akten der Provinzialforstverwaltung Hannover her. Andere Quellen über diese Waldbrände liegen nicht vor.
1896 brach der erste in den Aufzeichnungen erwähnte Waldbrand bei Oerrel an der sogenannten Weststraße aus, die westlich und östlich der Kleinbahnlinie Dethlingen - Munster (heute: OHE-Strecke) verlief. Es brannten 35 Hektar eines 17-jährigen Kiefernbestandes ab. Über die Brandursache ist nichts bekannt.
Bekannt ist dagegen, dass am 05. Mai 1900 durch Funkenflug aus einer Lokomotive ein 76 Hektar großer Kiefernbestand südlich der Eisenbahnlinie Munster - Uelzen, westlich der Kleinen Örtze in den Jagen 264, 265, 276, 277, 288 und 289, brannte. Die Eisenbahnverwaltung zahlte der Provinzialforst Hannover eine Entschädigung in Höhe von 3.800,00 Reichsmark.

1928 brannte es ebenfalls südlich der Eisenbahnlinie Munster - Uelzen in den Jagen 312, 319, 326 und Teilen des Jagens 320. Im Gebiet der Provinzialrevierförsterei Lintzel stand ein 39 Hektar großer 75-jähriger Kiefernbestand in Flammen. Diesmal war die Brandursache nicht festzustellen.

Auch 1940 entstand nur 80 Meter vom Gleis der oben genannten Bahnstrecke im Jagen 287 ein Waldbrand von 1,3 Hektar Größe, dem ein 100-jähriger Kiefern- und Fichtenbestand zum Opfer fiel. Wieder war die Ursache nicht zu klären. Da die Brände aber immer in Nähe der Bahnlinie ausbrachen, muss vermutet werden, daß diese durch Funkenflug aus den Dampflokomotiven entstanden sind.

1942 brach ein größerer Waldbrand im Provinzialforst Oerrel-Süd, dem heutigen Revier Karrenbusch, in den Jagen 5 und 6 aus. Durch den Einsatz von Waldarbeitern, Dorfbewohnern und Wehrmachtsangehörigen mit Militärfahrzeugen konnte das Feuer schnell unter Kontrolle gebracht und gegen Abend schließlich ganz gelöscht werden. Abgebrannt waren am Ende drei Jagen in einer Größe von 30 Hektar.
Das betroffene Waldgebiet wurde während des 2. Weltkrieges als Bombenabwurfplatz genutzt, auf dem sowohl Übungsbomben als auch scharfe Bomben abgeworfen wurden. So könnte ein solcher Bombenabwurf die Ursache dieses Brandes gewesen sein. Daher war wohl auch die Wehrmacht an den Löscharbeiten beteiligt.

In den Aufzeichnungen ist nur beim letzten Feuer festgehalten worden, wer die Brände gelöscht hat. Neben Waldarbeitern wird es anfangs die damals so genannte Gemeindelöschmannschaft gewesen sein. Eine Feuerwehr ist in der Aufzählung der Hilfskräfte beim Brand im Jahre 1942 nicht erwähnt. Dort ist nur allgemein von Dorfbewohnern und Wehrmachtsangehörigen die Rede. Dabei wird mit Dorfbewohnern die Gemeindelöschmannschaft (Pflichtfeuerwehr) gemeint sein. Ebenso ist es denkbar, dass mit den Wehrmachtsangehörigen auch die Lagerfeuerwehr der Lufthauptmunitionsanstalt (MUNA) Oerrel gemeint ist, die ein Jahr zuvor, den Brandschutz in Oerrel übernommen hatte nachdem spielende Kinder ein für den Brandschutz von Oerrel folgenschweres Feuer verursacht hatten

1941 brannte nämlich die Scheune und ein angrenzender Schuppen auf dem Gutshof (dem heutigen Kaminhof) ab. Die Scheune stand von der Straße aus gesehen links vom Hauptgebäude, an der Stelle, wo auch heute wieder eine Scheune steht. Damals reichte sie mit dem angebauten Schuppen bis an die Reichsstraße 71 (heutige Bundesstraße 71) heran. Dieses Feuer hatte deshalb fatale Folgen für den Brandschutz des Ortes, weil in dem Schuppen die Handdruckspritze stand, die nicht mehr gerettet werden konnte. Wohl auch ein Grund dafür, dass die Scheune vollständig abbrannte.

Lagerfeuerwehr
Nun fehlte der Feuerschutz im Dorf, der aber sofort von der Feuerwehr der Lufthauptmunitionsanstalt (MUNA) übernommen wurde. Über diese Lagerfeuerwehr gibt es nur wenige Unterlagen, da alle Aufzeichnungen über die MUNA kurz vor Kriegsende bevor die Briten in Oerrel einmarschierten auf Befehl vernichtet wurden. Dieser Befehl wurde anscheinend konsequent umgesetzt. Es gibt aber im Bundesarchiv in Freiburg Hinweise darauf, dass mit dem Bau der MUNA etwa 1938 begonnen und 1942 der Betrieb voll aufgenommen wurde. Die Lagerfeuerwehr dürfte wegen der großen Gefahr, die von den eingelagerten Kampfstoffen ausging, bereits vor Aufnahme des vollen Betriebes aufgestellt worden sein. Dies beweist die Tatsache, dass sie 1941 sofort den Brandschutz für das Dorf übernommen hat.

1945 ging mit Kriegsende der Brandschutz des Dorfes auf die britische Besatzung-macht über, die diesen weiterhin durch die Lagerfeuerwehr sicherstellte, bis die MUNA von Bomben und anderen militärischen Dingen geräumt und die von den britischen Soldaten in Oerrel besetzten Wohnungen wieder freigegeben wurden.
Aus einem Schreiben des Kreisbrandmeisters Michaelis aus Soltau vom 22. Mai 1946 geht hervor, dass - wie eine Besichtigung zwei Tage vorher ergeben hatte - die Lagerfeuerwehr Oerrel zu dieser Zeit (Mai 1946) nur noch aus acht Mann bestand und mit folgendem Gerät ausgestattet war:
1 TLF 25 mit TS 8 und TSA, sowie
1 Schlauchtender (Feuerwehrgerätewagen) mit TS 8 und TSA.
Beide Kraftfahrzeuge hatten einen Otto-Motor und wurden mit Vergaserkraftstoff gefahren. Der Verbrauch lag bei 125 Liter bzw. 60 bis 70 Liter auf 100 Kilometer.
In dem Schreiben des Kreisbrandmeisters heißt es, dass 8 Mann zu wenig sind, erforderlich wären ein Leiter der Wehr und je Gerät 9 Mann = 18 Männer, damit die Lagerfeuerwehr mit Erfolg eingesetzt werden kann.

1948 wurde die Lagerfeuerwehr aufgelöst und die vorhandenen Löschgeräte wurden, bis auf einen kleinen Rest, auf andere Feuerwehren im Kreis Soltau verteilt. In Oerrel verblieben nur ein TSA mit einer TS 8 und ein Teil der Schläuche. Dieses Material bildete den Grundstock für die Freiwillige Feuerwehr Oerrel, die am 17. September 1948 gegründet wurde.  
Das Gebäude der Lagerfeuerwehr in der MUNA Oerrel wird heute vom Sportverein SV Trauen-Oerrel als Vereinsheim genutzt. Erkennbar sind heute noch die drei Fahrzeuggaragen (große Tore) und der ehemalige Schlauchtrockenturm an der linken Seite des Gebäudes.
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