1948-1949 - FFW Oerrel

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1948-1949

- Geschichte
Aus der Anfangszeit der Oerreler Wehr
1948 und 1949
Wie ging es nach der Gründung mit der Freiwilligen Feuerwehr Oerrel weiter?

Am Anfang lief nicht gleich alles so, wie bei der Gründungsversammlung vorgesehen. Das der Wehr zur Verfügung stehende Gerät musste instandgesetzt werden, damit es im Einsatzfall tatsächlich gebrauchsfähig war. Aus der Niederschrift einer der damals üblichen Monatsversammlungen (vom 1. Oktober 1948) geht hervor, dass die von einem Kameraden zugesagte Arbeit an der TKS aus beruflichen Gründen nicht durchgeführt werden konnte. Die Tragevorrichtung der TKS war beschädigt und das fehlende Stück war nicht mehr aufzufinden.

Die vorgesehene Teilnahme am Lehrgang in Celle war durch besondere Umstände ins Wasser gefallen. Dies wurde von Wehrführer Pötter im Interesse des Aufbaues der Wehr bedauert. Anschließend gab Pötter laut Protokoll ein interessantes Beispiel in Sachen Hilfeleistung der Wehr im Falle eines Brandes. Bei einem Feuer in Marklenburg wurde dem Brand durch eine Eimerkette erfolgreich zu Leibe gegangen.

Bezüglich der Bekleidung der Wehrangehörigen ist z. Zt. nichts zu veranlassen, da die Beschaffungskosten zu hoch sind und von den Männern nicht getragen werden können, heißt es im Protokoll. Und weiter: Die Dienstgrade in der Feuerwehr werden eingehend besprochen und erklärt. Hierbei wird noch einmal auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit zur Teilnahme an den vorgeschriebenen Kursen an der Feuerwehrschule hingewiesen. Insbesondere sind die Kurse wichtig für Ernennungen und Beförderungen in der Wehr.

Dann ging es auf der Versammlung um den Aufbau der Sirene. Festgehalten ist, dass auch vom anwesenden Forstmeister die Notwendigkeit gesehen wurde, die Sirene auf dem Feuerwachturm anzubringen, damit die im Wald arbeitenden Waldarbeiter die Sirene hören konnten, auch wenn sie noch so weit entfernt arbeiten. Damit es nicht zu teuer wurde, wurde der Aufbau etwa in halber Höhe des Turmes vorgeschlagen. Und in unmittelbarer Nähe des Feuerwachturmes sollte auch ein besonderer Feuermelder installiert werden. Der Forstmeister
sicherte die tatkräftige Unterstützung des Forstamtes bei der Kostendeckung zu.

Die Forst beabsichtigte auch, im kommenden Frühjahr (1949) ein eigenes Fahrzeug für die Waldbrandbekämpfung anzuschaffen, das dann auch der Wehr für alle sonstigen Einsatzfälle zur Verfügung gestellt werden könnte. Außerdem wurden von der Forst Spaten und Schaufeln im ausreichenden Maße zur Verfügung gestellt, die jederzeit ausgeliehen werden konnten.

Festgehalten wurde auch, dass es in Oerrel Probleme mit der notwendigen Löschwasserversorgung gab, so dass man nicht umhinkommt, die Errichtung einer Zisterne vorzusehen. Diese sollte bei den Eichen von Bauer Gralher gebaut werden, da dieser Platz am besten und zentral lag. Die Errichtung sollte durch besondere finanzielle Unterstützung der Forstverwaltung, die um eine entsprechende Beihilfe gebeten werden sollte, durchgeführt werden. Ein weiterer Vorschlag war, den Bunker der Magazinbaracke als Zisterne auszubauen, um die vorgesehene Sprengung zu verhindern. Um auch bei zeitweiligem Fehlen von Löschwasserstellen die Einsatzfähigkeit zu gewährleisten, und zwar wenigstens am Ort, ist das Schlauchmaterial festzustellen, und danach die günstigste und kürzeste Strecke zur Oertze festzulegen, heißt es in der Niederschrift weiter. Und hinsichtlich Sprit für die TKS wurde angeregt, die Bergungsgesellschaft (Anmerkung: Vermutlich in der ehemaligen MUNA) zur Herausgabe von Benzin zu veranlassen, die z. Zt. das in der TKS vorhandene Benzin auch verbraucht hat.

Ferner schlug man vor, Theater-, Kino- und sonstige Veranstaltungen in der Halle durch besondere Wachen zu sichern. Für die Benachrichtigung der Wehrangehörigen in besonderen Fällen (Einladung zu Versammlungen usw.) wurde angeregt, den sogenannten Knüppel* (*Erklärung siehe unten) einzuführen, der die beste Garantie für eine glatte Benachrichtigung aller Männer bringt. Dieser Vorschlag wird allerseits besonders begrüßt. Damit endete diese Monatsversammlung.

Die Gründer der Freiwilligen Feuerwehr hatten ein Gründungsfest vorgesehen, das aber durch einen Beschluss auf der Monatsversammlung am 18. November 1948 auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurde. Um aber die Wehr in den Besitz von Geldmitteln zu bringen, die zur Bestreitung des notwendigen Bedarfs erforderlich sind, wird angeregt, am Sylvesterabend eine Tanzveranstaltung aufzuziehen. Die Versammlung heißt diesen Vorschlag gut und wählt gleichzeitig einen Vergnügungsausschuß. Der Ausschluss wird alsbald zusammentreten, um die erforderlichen Vorarbeiten zu leisten, heißt es im Protokoll dieser Versammlung.


Am 13.12.1948 traf man sich wieder und setzte für den kommenden Sonntag, 19.12.48, 8:00 Uhr, Übungsdienst an. Mit Rücksicht auf das Sylvestervergnügen muss zu dem Übungsdienst noch Arbeitsdienst verrichtet werden. Zum Schneiden und Zerkleinern für die Beheizung der Festhalle erklären sich elf Kameraden bereit.

Über die weiteren Vorbereitungen für das Fest zum Jahreswechsel 1948/49 wird vom Vergnügungsausschuß berichtet, dass noch erhebliche Arbeiten insbesondere für die Ausschmückung zu leisten sind, da die Halle so hergestellt werden soll, dass jeder Freude findet. Musik wird durch die Kapelle “Atlantik” gestellt. Zusage ist erteilt. Erhebliche Schwierigkeiten sind noch zu überwinden bezüglich der Beleuchtung und Herbeischaffung der erforderlichen Tische und Bänke für die Halle. Die Kasse soll bis nachts 1 Uhr offengehalten werden, da damit zu rechnen ist, dass auch nach 24:00 Uhr noch Gäste kommen werden. Die Kasse wird von dem Kameraden Pötter, Lange, Huy, Schöninger, Wisniewski und Völtz übernommen, die zu dritt je 3 Stunden stehen werden.

Festgehalten ist anlässlich dieser Sitzung auch, dass die Spritze wiederhergestellt ist. Noch vorhandene kleinere Mängel können leicht beseitigt werden, heißt es im Bericht.

Auf der nächsten Monatssitzung am 28. Januar 1949 gab Wehrführer Pötter bekannt, dass der Wehr vom Sylvestervergnügen ein Überschuss von 296,00 DM verblieben ist, der für Zwecke der Wehr zur Verfügung steht.

Ferner gab der Wehrführer bekannt, dass die Spritze nunmehr fertiggestellt und einsatzfähig sei. Die erste Wasserprobe soll beim kommenden Dienst am Sonntag, den 30.1.49 (9-11 Uhr) gemacht werden. Stück für Stück muss nunmehr weitere Arbeit geleistet werden. Nächstes Ziel muss der Aufbau der Sirene sein, da die Gefahrenszeiten kurz vor der Türe stehen.

Danach muss an den Aufbau von Löschwasserstellen herangegangen werden, da einige Baracken nicht erreicht werden können. Obwohl hier erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden sind, kann von einem Ausbau nicht abgegangen werden, heißt es im Protokoll zum Ende der Sitzung.

Am 9.2.1949 verlas Kamerad Pötter auf der Monatsversammlung ein Schreiben der Kreisverwaltung Soltau, aus dem hervorging, dass er (jetzt auch offiziell) als Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Oerrel eingesetzt wäre. Weiter gab er bekannt, dass der Probelauf der Pumpe geklappt hätte und diese nunmehr tatsächlich einsatzfähig ist.

Bei dieser Versammlung waren auch Vertreter der Gemeinde und des Forstamtes anwesend, da es um die Schaffung neuer Löschwasser-Entnahmestellen ging. Es wird erneut festgestellt, dass die gesprengte Zisterne am (ehemaligen) Flakturm am meisten fehlt. Bürgermeister Schirwagen erklärt, dass er mit Major Gubbard bezüglich des Wiederaufbaues der Zisterne bereits Rücksprache genommen habe. Leider habe er eine Entscheidung bisher nicht erhalten.

Kamerad Pötter äußerte sich dann noch zur Errichtung der Alarmvorrichtung. Er erklärt, dass die Forst mit dem Aufbau der Sirene auf dem Feuerturm grundsätzlich einverstanden sei. Für den Aufbau eines Brettergestells auf dem 2. Podest des Turmes ist etwa 1 fm Holz (Eiche) erforderlich. Die Kosten für den Aufbau der Anlage betragen nach dem Anschlag des Kameraden Bruno Blaß 150,00 DM.

Wehrführer Pötter bemerkt noch, dass der Feuerturm eine gute Gelegenheit zum Trocknen der Schläuche biete, wogegen seitens der Forst keine Einwendungen erhoben werden. Kamerad Finke macht der Forst noch den Vorschlag, um den Flakturm einen anständigen Zaun mit Pforte herzurichten.

Die Versammlung beschloss zu guter Letzt, von den passiven Mitgliedern einen Monatsbeitrag in Höhe von 0,50 DM zu erheben. Daher wurde ein Kassenwart benötigt, wozu sich Kamerad Schöniger freiwillig bereit erklärte. Die Versammlung stimmte zu.

Am 10. Juni 1949 hatte die Freiwillige Feuerwehr Oerrel 31 aktive Mitglieder. Auf der an diesem Tag stattgefundenen Monatsversammlung wurde bekannt, dass die Kostenvoranschläge für den Ausbau der Zisterne am ehemaligen Flakturm vorliegen und an die zuständigen Stellen weitergeleitet wurden. (Anmerkung: Dabei handelt es sich um die Zisterne, die heute unter dem Eingangsbereich des Feuerwehrhauses liegt.) Dem Wunsch der Wehr nach Einbau einer Pforte in die Einzäunung des Feuerturmes (Flakturmes) ist die Forst nachgekommen, heißt es abschließend für diese Versammlung.

Aus dem Protokoll der Versammlung vom 12.11.1949 geht hervor, dass die GEMA die Gebühr für das Sylvestervergnügen 1948 auf Antrag auf den Mindestsatz von 24,00 DM festgesetzt hat. Ein völliger Erlass wurde abgelehnt. Im September 1949 hatte die Freiwillige Feuerwehr Oerrel ihr Jahresfest gefeiert.

Soweit der Einblick in die Anfänge der Freiwilligen Feuerwehr Oerrel. Sicherlich könnte man noch vieles aus den vorliegenden Niederschriften der Anfangsjahre wiedergeben. Doch wäre dies so umfangreich, dass darüber ein eigenes Buch geschrieben werden müsste. Diese Auszüge zeigen aber schon, dass am Anfang viel Aufbauarbeit zu leisten war.

Für diese Aufbauarbeit können wir unseren Gründungsvätern auch heute noch dankbar sein.


*Was hat es mit dem Knüppel auf sich?
 
Bis  Anfang der fünfziger Jahre war es in vielen Heidedörfern (so zum  Beispiel in Müden/Oertze) üblich, das offizielle Mitteilungen auf einem  Holzbrett befestigt wurden, das mittels einer Lederschnur an einem  achteckigen Stab (Knüppel) hing. Das Brett wurde dann von Haus zu Haus  weitergereicht. Diese Art der Benachrichtigung wurde in Oerrel 1948 zur  Verbreitung von Nachrichten innerhalb der Feuerwehr eingeführt.
 
Ob  sich das wirklich bewährt hat ist fraglich, denn vermutlich erfolgte  die rechtzeitige Weitergabe oftmals verspätet, so dass wichtige Termine  von einem Teil der Kameraden eventuell versäumt wurden. Später wurden  Mitteilungen der Feuerwehr wie auch die öffentlichen Mitteilungen und  Bekanntmachungen am sogenannten "Schwarzen Brett" ausgehängt. Dort  musste jeder selbst nachschaunen, ob es wichtige Neuigkeiten gab.
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