- "Unser Oerrel" Früher & Heute - FFW Oerrel

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- "Unser Oerrel" Früher & Heute



Auf der alten Postkarte von 1969 sind in der oberen Hälfte die in den Jahren vorher neu gebauten Siedlungen im Oberdorf und in der unteren Hälfte die Neubauten im Unterdorf zu sehen. Auf dem Foto vom Unterdorf ist in der Bildmitte direkt über den Bäumen der im ...


... Gründungsprotokoll der FF Oerrel genannte "Bunker Wiesehomeier" zu sehen. 1969 wurde dieser ehemalige Bunker aber nicht mehr als Gaststätte sondern als Autowerkstatt genutzt. Heute ist dieses Gebäude ein Wohnhaus, das auf den Bunker drauf gebaut wurde.
Kohlenbissener Straße: 1920, 1952, 1956 und 2020
Die heutige Kohlenbissener Straße war früher die Einkaufsstraße des Dorfes. Dort gab es (fast) alles.

Die Postkarte von 1920 (oder früher - das genaue Jahr ist nicht bekannt) zeigt das alte Forsthaus von Förster Helms. Dieses Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Dahinter, wo früher der Wald begann, befindet sich heute das Jugendwaldheim, die frühere Oerreler Dorfschule.
Das Foto von 1952 zeigt das gleich Gebäude. Der Wald dahinter wurde bereits gelichtet, da dort Anfang der 1940er Jahre die Straße (heute  Schweriner Straße) zur KdF-Halle (heute Turnhalle) gebaut wurde.
1952 war aus dem ehemaligen Forsthaus ein Wohnhaus für mehrere Familien geworden. Außerdem war dort der Lebensmittelladen von August Helms. In der Baracke hinter dem Haus waren der Obst- und Gemüseladen von Werner Helms und eine Filiale der Schlachterei Munstermann aus Munster (siehe auch nächstes Foto). In der Baracke vorne war das Gemeindebüro von Bürgermeister August Helms, der auf dem Bild zu sehen ist. Außerdem befand sich in dieser Baracke die Post und eine Filiale des Textilgeschäfts Hentschel aus Munster.
Das Foto vom 25.08.1956 zeigt die kleine Baracke, in der neben der  Filiale der Schlachterei Munstermann (linke Häfte) das Obst- und  Gemüse-, Südfrüchte und Spielwarengeschäft von Werner Helms  untergebracht war. Auch eine kleine Bücherei gab es dort. Diese Baracke  wurde im Mai 1950 aus einer ehemaligen Wehrmachtsbaracke errichtet und  Mitte der 1960er Jahre abgerissen. Heute befindet sich dort ein freier  Platz vor den Garagen und ein kleiner Park. Der alte Walnussbaum, der  dort immer noch stand, wurde leider am 15.01.2020 gefällt.
Das Foto von 2020 zeigt, dass heute nur noch das ehemalige Forsthaus  erhalten ist. Die Baracken sind Anfang der 1960er Jahre abgerissen  worden.


Zur Kleinen Oertze Ecke Im Westerfeld: 1946
Die  beiden Fotos von 1946 zeigen die Vorder- und die Rückansicht eines  Fachwerkgebäudes, das heute nicht mehr vorhanden ist. Es stand dort, wo  heute die Straße "Im Westerfeld" von der Straße "Zur Kleinen Oertze"  abgeht. Heute stehen dort Einfamilienhäuser und die Arztpraxis von Frau  Dr. Doorentz.
Auf dem Bild mit der Rückansicht ist rechts im  Hintergrund die ehemalige Waldklinik zu sehen.

 
Aktuelle  Aufnahmen zu diesen beiden Bildern können heute nicht mehr gemacht  werden, da an den Stellen, wo die Aufnahmen gemacht wurden, heute  Häuser stehen.

 
Das  Haus war 1879/80 zur Unterbringung von Forstarbeitern gebaut worden,  denn seit 1875 fanden zwischen Lintzel und Oerrel die umfangreichen  Aufforstungsarbeiten unter Leitung des Forstrates Georg Quaet-Faslem  statt, nachdem zuvor die Ländereien der Bauern aus Oerrel, Lintzel und  Brambostel von der Landesforstverwaltung aufgekauft worden waren.
 

Nach  dem 2. Weltkrieg hat es die Gemeinde Oerrel erworben, um dort  Flüchtlingsfamilien unterzubringen, bis es Ende der 1970er-Jahre wegen  Baufälligkeit abgerissen wurde.


Turmweg: 1948 und 2020
Dieses wahrscheinlich 1948 entstandene Foto wurde im heutigen Turmweg in etwa auf Höhe des Feuerwehrhauses mit Blick zur Kohlenbissener Straße aufgenommen. Im Hintergrund ist das Gebäude der ehemaligen Waldklinik zu sehen. Links davon ist zwischen den Bäumen eine alte Scheune des ehemaligen Hofes von Johann Heinrich Peters (1872) zu sehen, die ein paar Jahre später abgerissen wurde.


Forsthaus Karrenbusch: 1946 und 2020
Die Postkarte von 1946 zeigt das ehemalige Forsthaus von Förster Gerber. Damals fuhr man auf der B 71 (heute Forstweg) von Munster kommend direkt auf dieses Haus zu. Heute ist es aus dieser Richtung das erste Gebäude hinterm Ortsschild an der B 71.
Die heutige Ansicht dieses Gebäudes vom Forstweg aus gesehen. Es ist heute ein Wohnhaus in Privatbesitz.


Kleine Oertze Brücke: 1949 und 2020
Das Foto von 1949 zeigt die Brücke über die Kleine Oertze in der Kohlenbissener Straße vor der ehemaligen Alten Wache. Im Hintergrund ist das ehemalige Forstamt Munster-Heide zu sehen, das als Wohnung des Kommandanten der MUNA Oerrel gebaut worden ist. 1949 waren dort die Engländer einquartiert. Der ehemalige Kommandant und spätere Bürgermeister Schirwagen wohnte zu dieser Zeit in dem weißen Haus links im Bild. Beide Gebäude stehen heute noch.
Während auf dem aktuellen Foto von 2020 das weißgestrichene Haus an der Kohlenbissener Straße deutlich zu sehen, kann man das ehemalige Forstamt Munster-Heide nur schwer erkennen, da es durch viele kleinere Bäume und Sträucher weitestgend verdeckt ist.


Alte Bundesstraße 71: 1950 und 2020
Alte Straßenführung der Bundesstraße 71 - Brücke über die Kleine Oertze - aus Richtung Munster kommend.
Heute befindet sich an dieser Stelle nur noch eine schmale  Holzbrücke. Auf der anderen Seite der Kleinen Oertze beginnt die heutige  Straße "Forstweg", die am Niedersächsischen Forstamt Oerrel vorbei bei  der ehemaligen Revierförsterei Karrenbusch wieder auf die B 71 führt.


Brambosteler Weg: 1950 und 2020
Dieses Foto vom Brambosteler Weg ist 1950 enhtstanden. Der Weg führte damals nicht nur nach Brambostel, sondern auch zum Sportplatz. Dieser lag auf der linken Seite hinter dem Acker, wo heute der Hochwald beginnt (hinter der Stichstraße zur Gasbohrstelle). Außerdem lag auf halben Weg zum Sportplatz am Ackerrand noch das kleine Wohnhaus der Eheleute Finke.
Das Foto von 2020 zeigt, dass der dicke Baum auf der linken Seite des Weges heute noch steht. Dagegen sind die Birken auf der rechten Seite verschwunden und neue Bäume wurden angepflanzt. Die Wiese dahinter wurde aufgeschüttet. Dort befindet sich jetzt der Friedhof mit der Kapelle, die 1961 auf dem älteren Teil des Friedhofs - vorm Hochwald - erbaut wurde. Heute durch Sträucher verdeckt.
Quellenangabe:
Die historischen Fotos stammen aus dem Besitz der Familie Wolfhard Helms. Vielen Dank dafür.
Die aktuellen Fotos Feuerwehr Oerrel

Postkarte von Oerrel aus dem Jahr 1958
oben links: die Waldklinik
oben rechts: das Forstamt Munster-Heide

unten links: den Blick aus der heutigen Schweriner Straße / Ecke Görlitzer Straße auf die Wohnhäuser gegenüber der damaligen Löns-Klause
(heute Kinderspielkreis)
unten rechts: die in dieser Zeit neu gebaute Schule (heute Jugendwaldheim) von der Kohlenbissener Straße aus gesehen.

Luftbilder Oerrel: 1944 und 1994

Luftbild von Oerrel, aufgenommen am Sonntag, den 17. September 1944 - Anhand des Sonnenstandes ist erkennbar, dass das Foto am späten Vormittag aufgenommen wurde.


Erklärungen:
  1. Sandkuhle in Betrieb zum Bau der Muna Oerrel
  2. Sportplatz am Brambosteler Weg
  3. Wohnhaus (Finke)
  4. Reichsstraße 71
  5. Schulhaus an der R 71
  6. KdF-Halle
  7. Verwaltung der Muna Oerrel (vorher Korrigendenanstalt)
  8. Wohnhaus Kommandant der Muna
  9. Bauernhof Gralher
  10. Im Bau befindliche Verwaltung der Muna
  11. Brücke der R 71 über die Kleine Oertze
  12. Kohlenbissener Weg (gesperrt da innerhalb der Muna)
Luftbild von Oerrel, aufgenommen 13.05.1994 - Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der WFL GmbH, Würzburg
© Gerhard Launer

  
Erklärungen:
  1. aufgeforstete Waldfläche
  2. aufgeforstete Waldfläche
  3. Ackerfläche
  4. Bundesstraße 71
  5. Altes Schulhaus an der B 71
  6. Turnhalle und Kinderspielkreis
  7. ehemalige Waldklinik (früher Korrigendenanstalt)
  8. Forstamt Munster-Heide  (früher Wohnhaus Kommandant)
  9. Kaminhof (früher Bauernhof Gralher)
  10. Nicht auf dem Foto zu sehen: Sogenanntes „Großes Haus“
  11. Nicht auf dem Foto zu sehen.
  12. Kohlenbissener Straße

Oerrel 1944 – Die Luftaufnahme im Detail
Die Straßen und Wege wurden mit den heutigen Namen versehen.
Die heutige B 71 – 1944 war es die Reichsstraße 71 – führte von Lintzel kommend zunächst so wie heute durch Oerrel. Richtung Munster verließ sie den Ort allerdings auf dem heutigen Forstweg. In der Kurve zweigte der heutige Faßberger Weg als breit angelegter Weg ab. Damals war aber der heutige Wildackerweg als direkte Verbindung zum Fliegerhorst Faßberg neu angelegt worden. Als breiter Pfad durchschnitt er die Oerreler Forst.
Auf dem Bildausschnitt sind zu sehen:
  1. Wohnhaus, damals Forsthaus
  2. Kaminhof, damals Bauernhof
  3. Scheune, heute verläuft dort die B 71 in Richtung Munster. Auf der anderen Seite des Faßberger Weges liegt das heute noch vorhandene Forsthaus Gerber.
  4. Heute noch vorhandenes Fachwerkhaus an der B 71 / Ecke Kreienberg mit Schuppen
  5. Altes Schulhaus an der B 71

Die anderen Gebäude auf diesem Bild stehen heute nicht mehr. Zwischen den Pfeilen 4 und 5 liegt im Wald versteckt der Luftschutzbunker, der nach dem Krieg als „Bunker Wiesehomeier“ bezeichnet wurde und in dem am 17.09.1948 die Freiwillige Feuerwehr Oerrel gegründet wurde.
Ein weiterer Luftschutzbunker lag auf der anderen Seite der B 71 ebenfalls im Wald versteckt, in dem nach dem Krieg bis Anfang der 1960-Jahre das Lebensmittelgeschäft von Fritz Mey untergebracht war. Daher wird dieses Waldstück zwischen B 71 und der Straße Zur Kleinen Oertze heute noch als „Mey´ers Berg“ bezeichnet.

Oberdorf
Die Straßen und Wege wurden mit den heutigen Namen versehen.
Der ursprünglich Ortskern von Oerrel im „Oberdorf“ lag an der heutigen Kohlenbissener Straße zwischen dem heutigen Turmweg und der heutigen Schweriner Straße. Dazu gehörte damals auch schon das Gebäude der späteren Waldklinik. Weitere Gebäude und Höfe lagen an den heutigen Straßen Unter den Buchen und Zur Kleinen Oertze, die heute alle nicht mehr vorhanden sind. Dort wurden neue Wohnhäuser gebaut.
Mit dem Bau der Muna Oerrel Anfang der 1940er Jahre entstanden auch im Dorf viele neue Gebäude und Baracken. So war das spätere Bundesforstamt Munster-Heide ursprünglich als Wohnhaus des Kommandanten der Muna Oerrel gebaut worden. Nach der Kapitulation hatten die Engländer das Gebäude als örtliches Verwaltungssitz genutzt.
Die Doppelhäuser in der heutigen Görlitzer Straße wurden ebenfalls für die Stammbesatzung der Muna Oerrel gebaut, während für die zahlreichen Bauarbeiter Baracken errichtet wurden. In den Baracken waren aber auch  die Offiziersmesse, die Kantine, der Sanitätsbereich, andere Gemeinschaftsräume usw. untergebracht.
Als Kulturmittelpunkt wurde die damals so bezeichnete KdF-Halle (heute Turnhalle und Kinderspielkreis) gebaut, in der es neben Tanzvergnügen auch Theateraufführungen und Kinovorstellungen gab. Dies auch noch viele Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs.
Neben den Baracken im „Unterdorf“ gab es auch welche im „Oberdorf“ und zwar lagen diese an der heutigen B 71 – 1944 war es die Reichsstraße 71 – auf der rechten Seite von Lintzel kommend. Neben den fünf Baracken, die dort standen, gab es auch einige Geräteschuppen, wovon der neben der Offiziersmesse stehende Schuppen ab Ende 1948 als erstes Feuerwehrgerätehaus der neu gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Oerrel genutzt wurde.
Dort,  wo heute das Feuerwehrhaus in Oerrel steht, stand 1944 ein Flakturm, von dem aus der Ort und die Muna vor Luftangriffen geschützt werden sollte. Nach dem Krieg diente dieser Turm als Feuerwachturm und als  Schlauchtrockenturm.
Die Baracken im „Oberdorf“ wurden Mitte der 1960er Jahre abgerissen, nachdem in den Jahren vorher, mehrere neue Siedlungen mit Ein- und  Zweifamilienhäusern sowie drei Wohnblocks auf dem großen Feld errichtet worden sind, in die die Bewohner der Baracken eingezogen waren. Als erstes war 1960/61 die heutige Stettiner Straße (damals Pommernstraße) gebaut worden, deren etwaiger Verlauf in das Luftbild eingezeichnet wurde. 1964/1965 folgten die heutige Tilsiter Straße (Ostpreußenstraße) und Berliner Straße. Nach dem Abriss der Baracken entstanden dann auch neue Wohnhäuser an der heutigen Brandenburger Straße.

Oerrel 1775









Auszug aus den Geodaten des Landesamtes für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen,  
© 2020
Homepage des LGLN www.lgln.de
  
Erläuterungen zum Kartenausschnitt:
Der Ortsname Oerrel ist mit der Zahl „5“ versehen. Das bedeutet, dass der Ort fünf Feuerstellen hat. Da je Feuerstelle 6 bis 8 Benutzer angenommen wurden, hatte Oerrel 1775 maximal 40 Einwohner. Wie aus der Karte ebenfalls hervorgeht, bestand das Dorf aus fünf in Rot mit allen Nebengebäuden eingezeichneten Bauernhöfen. Wenn wir diese von oben angefangen im Uhrzeigersinn betrachten, können die Höfe folgendermaßen zugeordnet werden, wobei uns nur die Namen der Hofbesitzer aus dem Jahre 1871 vorliegen (vermutlich sind die Höfe aber seit Generationen im Familienbesitz):
  • Viertelhöfer Heinrich Christoph Peters  - der Hof lag da, wo heute das ehemalige Forstamt Munster-Heide steht;
  • Vollhöfer Heinrich Christoph Peters – der Hof lag da, wo heute die Waldklinik steht;
  • Halbhöfer Johann Heinrich Peters – der Hof lag links der heutigen Straße Zur Kleinen Oertze;
  • Halbhöfer Johann Heinrich Marcks – dieser Hof besteht heute als „Gut Orla“ (Kaminhof);
  • Vollhöfer Johann Peter Kuhlmann – dieser am heutigen Forstweg gelegene Hof besteht heute noch als Wohnhaus, davor war er auch als Forsthaus genutzt worden.
Die Bauern waren damals in unterschiedliche Klassen eingeteilt, die sich nach der Größe ihres Hofes richteten. Ausschlaggebend dafür waren u. a. die Anzahl der Morgen, die von Ihnen bewirtschaftet wurden. Der Klassenstand spiegelte sich in den Bezeichnungen Vollhöfer, Halbhöfer und Viertelhöfer wider. Der Vollhöfer hatte die größte Anzahl an Morgen und konnte meist von seinem Hof leben. Die Halb- und Viertelhöfer mussten neben ihren eigenen Höfen meist auch noch beim Vollhöfer mitarbeiten.  
Zurück zur Karte:
Zwischen den Höfen und der Kleinen Oertze liegen Wiesen. Die Ackerflächen liegen weit verstreut um das Dorf herum. Auf dem südlichen Teil der mit „Ort Feld“ bezeichneten Ackerfläche (etwa da wo die 5 unter Oerrel steht) sind heute die Stettiner-, Tilsiter-, Berliner- und die Brandenburger Straße.  
Links davon - auf der als lichter Laubwald eingezeichneten Fläche - liegt heute die Görlitzer Straße. Gegenüber vom heutigen „Gut Orla“ (Kaminhof) – wo jetzt die Straßen Wildackerweg und Kreienberg liegen – war 1775 ein lichter Laubwald.
Die heutige B 71 war damals – wie alle anderen Verkehrswege auch in dieser Gegend - lediglich ein unbefestigter, vermutlich ausgefahrener Sandweg. Nach Kohlenbissen führte nur ein Fußweg.  
Die blau eingezeichnete Kleine Oertze durchfließt Oerrel von Nord nach Süd. Kleine Bäche münden nördlich der Ortschaft in den Bach. Südlich von Oerrel – wo vor einigen Jahren noch der Hahnenmoorsee lag - durchfließt die Kleine Oertze langgezogene Wiesen.

Oerrel 1899



Der Kartenausschnitt aus der Preußischen Landesaufnahme für den Zeitraum 1877 bis 1912 zeigt Oerrel im Jahr 1899. Erstausgabe von 1901.
Quelle: Auszug aus den Geodaten des Landesamtes für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen,  
© 2020
Homepage des LGLN www.lgln.de
Erläuterungen zum Kartenausschnitt:
Der Kartenausschnitt verrät uns viel über das Dorf zum Ende der 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts.

Pfeil Nr. 1: Dieser Weg ist heute die Straße Am Sportplatz  

Pfeil Nr. 2: Brücke über die Kleine Oertze in der heutigen Kohlenbissener Straße

Pfeil Nr. 3: Brücke über die Kleine Oertze auf dem Weg in der Verlängerung der heutigen Straße Zur Kleinen Oertze. An dieser Stelle wurde
der Bach in den 1960er-Jahren an heißen Sommertagen von den Jugendlichen des Dorfes zum Baden aufgestaut, was regelmäßig Ärger mit dem Landwirt gab, den die Wiese gehörte. Südlich dieses Weges lagen links von der Kleinen Oertze Gärten (schräg straffiert eingezeichnet), die es noch bis Anfang der 1970er-Jahre gab. Weitere und größere Gartenflächen sind in unmittelbarer Nähe zum Dorf zu erkennen.

So sieht es heute an der Stelle der Kleinen Oertze aus, an der in den 1960er-Jahren der Bach zur "Badeanstalt" aufgestaut wurde. Damals waren hier Wiesen und die Oertze war tiefer als heute.
Pfeil 4: Beginn der heutigen Straße Zur Kleinen Oertze. Zu erkennen sind das Waldarbeiterhaus und als größtes eingezeichnetes Gebäude
die Korrigendenanstalt (spätere Waldklinik).
Pfeil 5: Die Kleine Oertze dehnte sich kurz vor der Brücke der Reichsstraße 71 (heute Forstweg) etwas weiter zu einem kleinen Teich aus,
den es heute noch an dieser Stelle gibt. Zwischen Pfeil 4 und 5 liegt der Kuhlmannsche Hof, der zu dieser Zeit bereits als Forsthaus genutzt wird.
Pfeil 6: An dieser Stelle ist heute der Wildackerweg. Direkt über dem Pfeil liegt das Fachwerkhaus mit Nebengebäude, das heute noch an
der B 71 steht. Dahinter ist die damalige Schule (Gebäude steht heute noch) eingezeichnet. Der Pfeilspitze gegenüber liegt auf der anderen Seite der B 71 das heutige Gut Orla, ehemals Kaminhof, der 1899 Bauernhof war und dies bis in die 1970er-Jahre blieb.
Pfeil 7: Brambosteler Weg. Die Ackerfläche oberhalb des Weges wird heute noch – zumindest teilweise - landwirtschaftlich genutzt.

Pfeil 8: Die Reichsstraße 71 (heute B 71) von Lintzel kommend. Links davon mündet der Lüneburger Weg (heute Brandenburger Straße)
auf die Straße. Zwischen Pfeil 8 und 9 liegt die als „Ort Feld“ in der Karte von 1775 eingezeichnete Ackerfläche, die in den 1960er-Jahren bebaut worden ist. Unterhalb des Wortes „Örrel“ verläuft der heutige Turmweg.
Pfeil 9: Dieser Weg entspricht weitestgehend der heutigen Görlitzer Straße. Rechts von der Pfeilspitze liegt heute die Turnhalle. Der Pfeil
zeigt auf das mehrstöckige Wohnhaus an der Kohlenbissener Straße, das heute noch steht.

Wenn man genau hinschaut erkennt man eine auffällige schwarz eingezeichnete Linie, die sich bei Pfeil 6 beginnend S-förmig durchs Dorf nach Norden bis zur Kohlenbissener Straße schlängelt um dann an dieser Straße entlang über die Kleine Oertze aus Oerrel heraus führen.  
Das ist die Streckenführung der Waldbahn, die es damals in Oerrel gab.  

  
Die Waldbahn von Oerrel nach Brockhöfe/Bhf.

Vorweg ein paar Erläuterungen zur Waldbahn, über die heute mangels alter Unterlagen nur noch sehr wenig bekannt ist. Feld- und Waldbahnen waren Schmalspurbahnen, die zum Transport landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher und industrieller Rohstoffe dienten. Auch heute gibt es in größeren Betrieben noch derartige Feldbahnen (Werkbahnen). Die Verlegung der meist vormontierten Gleisroste war relativ einfach und somit fast überall im Gelände schnell möglich. Die Fahrzeuge waren robust und von einfacher Bauart. Es waren nicht immer Lokomotiven, die die Loren und Flachwagen zogen, sondern oftmals wurden Pferde vorgespannt. Es spricht einiges dafür, dass auch die Feld- bzw. Waldbahn von Oerrel nach Brockhöfe Bhf. von Pferden gezogen wurde.
Vermutlich wurde die Waldbahn ursprünglich als Feldbahn in der Zeit der Aufforstung der Heideflächen zwischen Oerrel und der Bahnlinie Munster - Brockhöfe angelegt, um die vielen Arbeiter, die Arbeitsgeräte und natürlich auch die Baumpflanzen in das weitläufige und wohl auch unwegsame Gelände zu transportieren. Nachdem die ersten Bäume größer wurden, wurde aus der Feld- eine Waldbahn.
1899 waren die aufgeforsteten Flächen um Oerrel herum alle schon Wald, wie aus der Preußischen Landesaufnahme für den Zeitraum 1877 bis 1912 hervorgeht. Der Wald war in sogenannte Jagen (heute Abteilungen) eingeteilt worden. Die Jagen waren 1899 anders durchnummeriert als heute, da das Gebiet damals anders aufgeteilt war und sich auch noch nördlich der Bahnlinie erstreckte. In diesem Text werden die heutigen Nummern der Jagen bzw. Abteilungen verwendet, wobei die aus dem Jahr 1899 in Klammern dazugesetzt sind.
Zwischen den Jagen führen Wege hindurch, die mit Buchstaben alphabetisch geordnet sind. Die Wege, die von Nord nach Süd verlaufen, haben Groß-Buchstaben, die östlich von Lintzel mit „A“ anfangen und südlich von Kohlenbissen mit „U“ aufhören. Für die von West nach Ost verlaufenden Wege werden Klein-Buchstaben verwendet, die südöstlich von Dethlingen mit „a“ anfangen und heute südlich der Bahnlinie Munster – Uelzen mit „s“ aufhören. 1899 ging es nördlich der Bahnlinie noch bis „y“ weiter, da es den Truppenübungsplatz damals noch nicht gab.
In der Karte der Preußischen Landesaufnahme sind auch die Strecken von Feld- und Waldbahnen eingezeichnet, so dass der Streckenverlauf „unserer“ Waldbahn von Brockhöfe/Bhf. nach Oerrel nachvollzogen werden kann. Die Strecke führte nicht auf direktem Wege nach Oerrel sondern – da sie in erster Linie den Aufforstungs- und Waldarbeiten diente – auf einem großen „Umweg“.
Westlich des Bahnhofs von Brockhöfe zweigte bei Jagen 325 (265) eine Waldbahn nach Norden in Richtung Wulfsode und eine nach Süden in Richtung Oerrel ab. Und zwar genau in Höhe des heutigen Waldrandes hinter dem Feld beim Jägerkrug, wo ein einzelnes Haus steht. Auf der Karte ist das der Weg „D“. Die Waldbahn bog aber gleich wieder nach Westen in Richtung Munster ab, verlief aber nur am Jagen 325 (265) parallel zur Amerikalinie, um dann wieder in Richtung Süden abzubiegen. Auf dem Weg „ E“ verlief sie dann bis zum Jagen 255 (121) an der heutigen B 71, auf die sie kurz vor der langgezogenen Rechtskurve bei Lintzel traf. Laut Karte überquerte sie die B 71, um auf der anderen Straßenseite parallel in Richtung Oerrel zu verlaufen. Ob sie tatsächlich die Straße überquerte oder ob dies nur zur besseren Unterscheidung in die Karte eingezeichnet wurde, ist nicht sicher, denn sie bog nur zwei Jagen 243 (109) weiter – also noch vor der Kreisgrenze - wieder nach Westen in den Weg „ p“ ab. Beim Jagen 244 (110) ging es dann über die dort verlaufende Kreisgrenze in den Kreis Soltau und damit in das Gemeindegebiet von Oerrel.
Auf dem Weg „p“ verlief die Strecke quer durch den Wald nach Westen, überquerte dabei den Lüneburger Weg und erreichte im Jagen 249 (115) den Fischteich, der 1899 wesentlich größer war als heute. Der Teich reichte vom Südrand des Jagen 276 (141) über die Jagen 262/264 (128/129) bis zum Südrand der Jagen 249/250 (115/116) am Weg „p“. Die Kleine Oertze verlief damals – anders als heute - mitten durch den Teich. Wo heute das Südufer des Teiches ist, war damals die Teichmitte. Aber den Weg „q“ gab es an dieser Stelle auch damals schon, denn mitten durch den Teich führte ein Damm von einem Ufer zum anderen. Für die Kleine Oertze hatte der Damm einen Durchlass. Am südlichen Teil des Teiches ist am westlichen Ufer im Jagen 250 (116) ein Pavillon eingezeichnet, der laut Karte über einen Stichweg vom Weg „q“ und einem Fußpfad vom Weg „p“ erreicht werden konnte. Ferner ist am Südufer ein Schuppen eingezeichnet.
Gleich hinter dem Fischteich bog die Waldbahn auf dem Weg „O“ in Richtung Süden und damit in Richtung Oerrel ab, wo sie in Höhe der heutigen Autowerkstatt auf den Weg nach Kohlenbissen (heute Kohlenbissener Straße) traf. Kurz vorher zweigte aber noch eine 2. Trasse auf dem Weg „i“ zwischen Jagen 148 und 166 (29/44) nach Westen ab, die über den Weg „ R“ in Richtung Süden führte und zwischen den Jagen 122/123 (15/16) endete.
Die Hauptstrecke verlief vom Weg „ O“ in Richtung Oerrel in etwa auf dem heutigen Radweg an der Kohlenbissener Straße entlang. Zwischen der Rückseite des Grundstücks Jahnstraße 10 und der Einmündung der heutigen Straße Am Sportplatz ist ein zweites Gleis – vermutlich ein Abstellgleich – eingezeichnet. 1899 lag dieser Bereich noch im Wald und es gab hier keinerlei Wohnbebauung.
Die Trasse der Waldbahn führte über die Brücke der Kleinen Oertze und verlief dann ein kurzes Stück sogar mitten auf der Kohlenbissener Straße, damit sie - im wahrsten Sinne des Wortes - die Kurve kriegte. Denn gleich hinter der Wiese schwenkte sie nach rechts auf das heutige Grundstück Kohlenbissener Straße 19 (siehe Foto). Von dort verlief die Strecke zwischen dem Buchenwald und den dort vorhanden Gärten (heute steht dort das ehemalige Forstamtes Munster-Heide), überquerte die Straße Unter den Buchen genau in Höhe der Einfahrt zum Grundstück Nr. 7. Hinter der Korrigendenanstalt (ehemalige Waldklinik) verlief die Strecke über die heutigen Grundstücke Nr. 10 und 7 der Straße Zur Kleinen Oertze ins Im Westerfeld hinein. Dort stand damals das Wohnhaus der Waldarbeiter, das weiter oben beschrieben wurde.

Im  großen Bogen ging es dann durch den Wald (Mey´ers Berg) und dem  Grundstück Salzwedeler Straße 11 in Höhe der heutigen Bushaltestelle  quer über die Reichsstraße 71 (heutige B 71). Dort wo vor einiger Zeit  noch der Waldkrug stand, verlief die Strecke über den Wildackerweg  hinweg und endete kurz vor dem Weg am ehemaligen Forsthaus Karrenbusch,  das es 1899 aber noch nicht gab. (Siehe Foto)
 
An der „Endhaltestelle“ stand ein Gebäude, das noch bis in die 1960er-Jahre als Wohnhaus genutzt und dann abgerissen wurde.




Der Kartenausschnitt zeigt den Verlauf der Waldbahn in Oerrel im Aufnahmejahr 1899 dieses Blattes der Preußischen Landesaufnahme.  
Quelle: Auszug aus den Geodaten des Landesamtes für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen,  
© 2020
Homepage des LGLN www.lgln.de
Erläuterungen zum Kartenausschnitt:
Pfeil Nr. 1: Waldbahn mündet vom Weg „O“ auf die Straße von
Kohlenbissen nach Oerrel
Pfeil Nr. 2: Abstellgleis der Waldbahn in Höhe der heutigen
Jahnstraße
Pfeil Nr. 3: Kohlenbissener Straße Brücke über die Kleine Oertze

Pfeil Nr. 4: Siehe Foto: An dieser Stelle verlief die Waldbahn
direkt auf der Kohlenbissener Straße und bog dann über das Grundstück auf der rechten Seite in Richtung ehemaliges Forstamt Munster-Heide ab.
Pfeil Nr. 5: Heutige Straße Zur Kleinen Oertze mit Waldarbeiter-
Wohnhaus und Korrigendenanstalt (Waldklinik)
Pfeil Nr. 6: Waldbahn überquert in Höhe der heutigen
Bushaltestelle bei Im Westerfeld die B 71
Pfeil Nr. 7: Siehe Foto: Rechts von der B 71 zwischen den beiden
Eichen im Vordergrund war die Endstation der Waldbahn in Oerrel. In Höhe der Bushaltestelle hinten links überquerten die Gleise die B 71 von links nach rechts (Pfeil Nr. 6).
Bisher liegt uns nur ein Dokument vor, in dem die Oerreler Waldbahn erwähnt ist. Der obige Auszug stammt aus dem Band 13 der Deutschen Forst-Zeitung von 1898. Leider ist der Text in diesem Auszug unvollständig. Daraus geht aber vervor, dass eine größere Herbstexkursio, an der etwa 35 Studierende aus Eberswalde und Münden von Hannover aus einen Ausflug nach der Provinzialforst Oerrel-Lintzel in den Kreisen Soltau und Uelzen gemacht haben. Auf der Station Brockhöfe wurden die Teilnehmer von dem Landesforstrat Quaet-Faslem empfangen. Von dort ging es zunächst mittels der 18 km langen Waldbahn, später auf einer dreistündigen Wanderung, und dann (sodann) mittels Wagen …. (Text endet hier).

Quelle: Google Books  zu finden unter der Suchfunktion „Im Buch“ die Stichworte Oerrel Waldbahn eingeben.

Bisher liegen keine Unterlagen vor, wann die Waldbahn gebaut und wann sie wieder demontiert wurde. Aus dem obigen Dokument geht aber hervor, dass sie insgesamt eine Länge vion 18 Kilometern hatte und dass mit ihr auch Personen befördert worden sind.
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