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Der Herbst ist die Jahreszeit der Stürme und Orkane. Der älteren Generation ist sicherlich ein Orkan bis heute in Erinnerung geblieben.  

13. November 1972
Wer an diesem Montag früh auf den Beinen war, kam noch gut zur Arbeit oder in die Schule. Morgens wehte zwar schon ein kräftiger Wind mit einigen heftigen Böen, doch dass es eine Sturmwarnung gab, interessierte nur wenige. Was sollte schon Schlimmes passieren. Wenige Stunden später „war die Hölle los“. Das Sturmtief „Quimburga“ hatte sich zum Orkan entwickelt, der später auch als Niedersachsenorkan bezeichnete wurde, denn unsere Region traf er mit voller Orkanstärke – Windstärke 12. Die stärksten maximalen Windböen wurden bei uns mit 137 km/h in Soltau und mit 144 km/h in Faßberg gemessen. Einen stärkeren Orkan hat es in Oerrel bis heute nicht mehr gegeben.  
Die vom Orkan verursachten Schäden an Gebäuden, Infrastruktur und in den Wäldern waren enorm. Neben den Wäldern wurden auch Kirchen und Windmühlen beschädigt sowie Stromleitungen, Dachziegel und Flachdächer heruntergerissen. Wie überall in Niedersachsen – hier wurden insgesamt 10 Prozent des Waldbestandes vernichtet - stürzten auch im Gebiet des Forstamtes Oerrel reihenweise Bäume um. Die Schäden im Oerreler Wald waren verheerend. Die Straßen nicht mehr passierbar. Oerrel war mehrere Tage ohne Strom, da die damals noch oberirdisch verlaufende Stromleitung mehrfach gerissen war. Zahlreiche Dächer wurden völlig abgedeckt. In Oerrel mussten die meisten der neuen Siedlungshäuser nach dem Sturm neu eingedeckt werden. Der Sachschaden in Deutschland lag bei 1,34 Milliarden Deutsche Mark (DM), was einem heutigen Wert von 2,18 Mrd. Euro (€) entspricht.  
Während es in Oerrel glücklicherweise keine Verletzten und auch keinen Todesopfer zu beklagen gab, forderte der Orkan insgesamt mindestens 73 Menschenleben, davon allein 21 in Niedersachsen und Bremen. In Hamburg wurden 150 Personen teilweise schwer verletzt. Aber auch nach dem Sturm kamen noch 22 Menschen bei Aufräumungsarbeiten ums Leben und es gab insgesamt mehr als 700 Unfälle mit zum Teil Schwerverletzten. Viele dieser Unfälle gab es bei den Aufräumarbeiten in den Wäldern, da dort viele Baumstämme kreuz und quer und somit unter Spannung lagen.  
Die Aufräumarbeiten in den Wäldern dauerten mehrere Jahre. Dabei wurde das dort herumliegende viele Totholz zu Wällen zusammengeschoben, die drei Jahre später – im August 1975 – bei den großen Waldbränden wie Zündschnüre wirkten und nicht oder nur sehr schwer gelöscht werden konnten. In der Forstwirtschaft führten die Folgen des Orkan Quimburga zu einem Umdenken weg von den Kiefer-Monokulturen.
Wie aus dem Protokoll der JHV der FF Oerrel vom 11. Januar 1973 hervorgeht, war die Wehr bei der Beseitigung der Sturmschäden im Bereich der Ortschaft im Einsatz. KBM Clausing berichtete auf dieser JHV von schweren Schäden im Kreis Soltau, wobei er auf den Windbruch in den Wäldern einging und auf die dadurch erhöhte Waldbrandgefahr hinwies, sollte es im Frühjahr oder Sommer zu einer Trockenheit kommen. Man ahnte also schon, was passieren könnte und dann ja auch passierte.
Vom Forstamt Oerrel war Oberforstmeister Sellhorn bei dieser JHV dabei. Aus seinem Bericht lässt sich erkennen, wie schlimm Quimburga im Oerreler Forst gewütet hat und welche Maßnahmen getroffen wurden. Er sprach davon, dass die durch den starken Windbruch kaum zugänglichen Waldgebiete der Oerreler Forst erst für die Bevölkerung gesperrt werden sollten. Da der Erholungsraum der Bevölkerung aber schon durch die Truppenübungsplätze stark eingeengt ist, wurde davon Abstand genommen. Die Waldwege sollten aber auf keinem Fall verlassen werden. Falls es zu einer Trockenheit kommt, erhöht sich allerdings auch dadurch die Waldbrandgefahr und jeder kleine Waldbrand kann dann zu einer Katastrophe werden. Daher werden Alarmierungspläne unter Berücksichtigung der Bundeswehr erstellt. Im Ernstfall wird die Bundeswehr durch den Kreis Soltau aus geplanten Bereitstellungsräumen heraus zu den Einsatzgebieten ausrücken. Außerdem werden Karten ausgegeben, in den die befahrbaren Hauptwege eingezeichnet sind. Er regte an, ob nicht ein Tanklöschfahrzeug während der Hauptgefahrenzeit im hiesigen Gebiet einsatzfähig besetzt bereitgestellt werden sollte.  
Katastrophenschutzpläne und Waldbrandeinsatzkarten, wie wir sie heute kennen, gab es damals noch nicht. Vorläufer davon entstanden demnach aber in Folge von Quimburga. Nach der Waldbrandkatastrophe 1975 wurden sie in Niedersachsen offiziell eingeführt.  

Ausführliche Informationen über den Niedersachsenorkan Quimburga sind im Internet zum Beispiel unter diesen Links zu finden:


Ein Video der Niedersächsischen Landesforsten zeigt Aufnahmen vom 13. November 1972 und den Tagen danach sowie von den Wiederaufforstungen in den Wäldern in Niedersachsen bis heute


Meteorologische Informationen zu Quimburga findet man unter „Kachelmannwetter“:


Da unsere Region in der Vorweihnachtszeit bisher von Katastrophen verschont geblieben ist, werden wir diese Reihe erst nach Weihnachten – voraussichtlich Ende Dezember - fortsetzen.
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