Der Heidkrug, der Neue Heidkrug und der Neue Krug - FFW Oerrel


Wir sind die
Freiwillige Feuerwehr Oerrel


Direkt zum Seiteninhalt

Der Heidkrug, der Neue Heidkrug und der Neue Krug

über Oerrel > * 1. Rundgang >>>>
2. Der Heidkrug, der Neue Heidkrug und der Neue Krug

(!Hinweis die kleinen Bilder die nebeneinander sind, können zum vergrößern angeklickt werden und dort findet Ihr auch die Bildbeschreibung!)

Das Gründungsjahr des Neuen Heidkrugs lässt sich bisher nur vermuten. Wie zuvor erwähnt, spricht einiges dafür, dass es um 1805 herum gewesen ist. Wie aus dem Munster-Buch von Wilhelm Wolter hervorgeht, sind in der Volkszählung vom 08. Juni 1815  zwei Orte mit dem Namen „Neuer Krug“ erfasst, von denen einer den Zusatz „am Oerreler Moor“ trägt. Dagegen taucht der Name „Heidkrug“ bei der Volkszählung nicht auf, obwohl uns der Heidkrug an der alten Heerstraße zwischen Oerrel und Brambostel bekannt ist, der auch an anderer Stelle im Wolter-Buch erwähnt wird. Daher müssen wir uns auch die Geschichte des Heidkrugs genauer betrachten.

Über den Heidkrug zwischen Oerrel und Brambostel berichtet Wilhelm Wolter in seinem Munster-Buch, dass der Krug in der Heide vor Brambostel 1769 mit behördlicher Genehmigung gegründet wurde. Damals war dies eine belebte Gegend, da dort die Salzfuhrwerke aus Lüneburg durch die Heide zogen. In der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1775 ist der Heidkrug mit einer Feuerstelle – also einem Wohnhaus – an der Heerstraße eingezeichnet.

Wolter berichtet weiter, dass das strohgedeckte Haus am 17. März 1805 so schnell niederbrannte, dass der Pächter und Wirt Joh. Christoph Kohlmeyer nur sein nacktes Leben retten konnte. Sein gesamtes Hab und Gut mitsamt seinen beiden Kühen wurde dagegen ein Raub der Flammen. Angeblich konnte er nur noch sein Oberbett zu fassen bekommen. Löschen war mangels ausreichendem Wasser nicht möglich.

Als Brandstifter wurde zuerst der Imker Hans Tewes aus Trauen angesehen, der auf seinem Weg zur Arbeit nach Medingen als einziger Gast kurz vorher im Krug gewesen war und ein sonderbares Benehmen an den Tag gelegt hatte. Doch der Pächter Kohlmeyer glaubte bei der Vernehmung selbst nicht daran, zumal der Imker seine Pfeife, ohne sie angesteckt zu haben auf dem Tisch liegen gelassen hatte. Wahrscheinlich war beim Heizen ein Funke auf das Stroh in der Krippe gefallen, die ganz in der Nähe des Ofens stehen musste, weil das schlecht gebaute Haus keinen anderen Platz zuließ.

Wolter berichtet in seinem Buch außerdem noch, dass der Krug von der Versicherungssumme wieder neu aufgebaut und dem alten Pächter Kohlmeyer überlassen wurde und dass dieser in den nächsten zehn Jahren so viel herauswirtschaftete, dass er ihn 1819 dem Eigentümer Refard aus Wriedel abkaufen konnte. In welchem Jahr der Krug wieder aufgebaut wurde, erwähnt Wolter nicht. Anhand seiner Anmerkung, dass der Krug ungefähr zehn Jahre nach dem Wiederaufbau verkauft wurde, muss der Wiederaufbau spätestens bis 1809 erfolgt sein.

Aus anderen Unterlagen ist ersichtlich, dass der Krug nach dem Wiederaufbau nicht mehr mit „Heidkrug“ sondern als „Neuer Krug“ bezeichnet wurde. Unter dieser Bezeichnung ist er nicht nur in der Volkszählung von 1815 erfasst, sondern auch auf dem Blatt 32 im Papen-Atlas von 1838 eingezeichnet.

Allerdings blieb der „Neue Krug“ in dieser Gegend nur so lange existenzfähig, wie der Verkehr auf der Heerstraße vorbeiführte. Das änderte sich mit dem Bau der Eisenbahnlinien, wodurch sich die Verkehrssituation völlig veränderte. Aber auch die zu dieser Zeit einsetzenden Aufforstungen der Heideflächen dürften dazu beigetragen haben. Jedenfalls wurde der „Neue Krug“ bei Brambostel 1870 abgerissen und verschwand damit endgültig.

Aber warum dieser Krug nach seinem Wiederaufbau 1809 nicht seinen alten Namen behalten hat, ist – zumindest bisher - nicht bekannt. Es spricht einiges dafür, dass noch vor dem Wiederaufbau des alten Kruges bei Brambostel ein ganz neuen Krug nördlich von Oerrel an einer belebten Kreuzung mehrerer Heidewege errichtet worden ist. Der Eigentümer nannte ihn „Neuer Heidkrug am Oerreler Moor“, was dann auch der offizielle Name wurde.
Das dieser „Neue Heidkrug“ um das Jahr 1805 entstanden sein muss, lässt sich in etwa damit begründen, dass dieser Ort in der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1775 noch nicht eingezeichnet ist. Dagegen findet man ihn unter diesem Namen im Papen-Atlas von 1838.

Laut Wilhelm Wolter sind in der Volkszählung von 1815 zwei Orte mit „Neuer Krug“ enthalten, wovon einer den Zusatz „am Oerreler Moor“ trägt. Somit gab es in Oerrel zu dieser Zeit zwei außenliegende Ortsteile mit dem Namen „Neuer Krug“, was auch ein Grund dafür sein könnte, dass der am Oerreler Moor gelegene „Neue Krug“  dann auch als „Neuer Heidkrug am Oerreler Moor“ bezeichnet wurde.

So sind in alten statistischen Handbüchern aus den Jahren 1824, 1844 und 1853 beide Bezeichnung mit dem Vermerk „siehe auch …“ berücksichtigt worden, wie die beigefügten Ausschnitte belegen.

Im Statistisches Handbuch des Königreichs Hannover aus dem Jahr 1824 finden wir zwei Eintragungen:
1. Unter der Veestei Oerrel sind neben Oerrel unter anderen Orten auch der Neuekrug bei Oerrel und der Neue Heidkrug am Oerreler Moor
  aufgeführt. Die angegebenen 20 Feuerstellen (= Wohnhäuser) beziehen sich auf alle 10 Orte und Höfe der Veestei.  
  1. Aus einer anderen Stelle in diesem Buch geht hervor, dass beide Krüge jeweils aus einer Feuerstelle und somit aus einer „Kothe , einem einzelnen einfachen Wohnhaus bestanden.
© Google Books
  
Unter dem nachfolgenden Link kann das „Statistische Handbuch des Königreichs Hannover“ bei „Google Books“ eingesehen werden. Der Link wurde so angelegt, dass die Seite mit der „Veestei Oerrel“ angezeigt wird. Über die dortige Suchfunktion können weitere Orte in dem Buch gefunden werden. Dabei ist zu beachten, dass es Oerrel sowohl im Amt Ebstorf als auch bei Hankensbüttel im heutigen Landkreis Gifhorn und in etwas anderer Schreibweise auch bei Zeven gibt.  


Auch im Statistisch-topographischen Hand- und Wörterbuch über den Landdrostei-Bezirk Lüneburg aus dem Jahr 1844 sind beide Krüge zu finden. In diesem Buch wurde die Schreibweise  Örrel verwendet.
© Google Books
  
Auch dieses Buch kann bei Google Books eingesehen werden. Über den Link gelangt man zur Startseite. Bei der Suche in diesem Buch bitte unbedingt beachten, dass im Buch nach Örrel – mit Ö – gesucht werden muss.


Aus dem Jahr 1853 stammt die Statistische Uebersicht der Eintheilung des Königreichs Hannover, in der unser Dorf und die beiden Krüge ebenfalls unter „Örrel“ zu finden sind.
© Google Books
  
In dem ebenfalls bei Google Books zu findenden Buch muss daher wieder nach Örrel gesucht werden, nachdem sich nach dem Aufrufen des folgenden Links eine Seite daraus öffnet.


Das nördlich der Bahnlinie Munster – Uelzen (auf dem heutigen Truppenübungsplatz Munster-Nord) liegende Oerreler Gemeindegebiet, erstreckt sich von den Hatz-Seen im Westen bis zur Kreisgrenze bei Brockhöfe/Bahnhof im Osten. In diesem Gebiet begannen damals die Aufforstungen der Heideflächen zwischen Lintzel und Oerrel, nachdem auf den kargen Heideböden keine gewinnbringende Bewirtschaftung mehr möglich war. Reichten die Erträge für die Bauern in früheren Jahrhunderten gerade noch aus, war das zum Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr der Fall. Ab 1871 wurden die ersten Höfe in Oerrel und den umliegenden Dörfern nach und nach vom Landesdirektorium Hannover, der hannoverschen Provinzialverwaltung, für Forstzwecke aufgekauft. Die heutige Oerreler Forst entstand.

In dem 1881 vom kaiserlichen Oberförster F. von Bodungen herausgegebenen Buch Die Aufforstung der öden Ebenen und Berge Deutschlands werden auch die vom Landesdirectorium Hannover angekauften Flächen bei Oerrel erwähnt. Die nachfolgenden Ausschnitte stammen aus diesem Buch, das bei Google Books – allerdings nicht komplett, sondern nur einzelne Seiten - eingesehen werden kann.
© Google Books
  

So wurde der „Neue Heidkrug am Oerreler Moor“ im Rahmen der Aufforstungen schon 1859 vom Landesdirektorium Hannover aufgekauft und von der Oberförsterei Rehrhof verwaltet. Von 1860 bis 1864 war der Krug an den Forstaufseher Heinrich Emme verpachtet, der das Gasthaus neben seiner Forsttätigkeit weiterhin betrieb. 1861 wurde aus dem nördlich der Bahnlinie gelegenen Gebiet die „Neue-Heidkrugs-Forst“. (Quelle: Landesarchiv Hannover: NLA HA Hann. 182 Garlstorf Acc. 80/81 Nr. 122)

Aus der Preußischen Grundkarte von 1899 ist erstmals ersichtlich, dass die (neue) Quelle der Kleinen Oertze nun ungefähr 600 Meter südlich des „Neuen Heidkrugs“ entspringt. In den heute noch im Niedersächsischen Landesarchiv in Hannover vorliegenden „Specialkarten für die Neue-Heidkrugsforst“ von 1861 bzw. 1879 sind in diesem Gebiet weder eine Quelle noch ein Bach eingezeichnet. Da diese vier Karten sehr detailgenau sind, sind sie ebenfalls ein Beleg dafür, dass es die Kleine Oertze in diesem Gebiet vor der Aufforstung und der Entwässerung des Oerreler Moors noch nicht gab.ä

Mit freundlicher Genehmigung des Niedersächsischen Landesarchiv in Hannover können wir hier diese vier Karten präsentieren. Auf die erstmals im Jahre 1861 erstellte Karte basieren die drei in den Jahren 1864 und 1879 überarbeiteten Karten. Über den jeweils beigefügten Link können die Karten außerdem im DFG-Viewer betrachtet und Ausschnitte vergrößert werden.

1. „Charte von der Herrschaftlichen von der „Neuen Heidkrugs-Forst am Oerreler Moore, Amt Soltau, eingetheilt 1861“
  
1. „Charte von der Herrschaftlichen von der „Neuen Heidkrugs-Forst am Oerreler Moore, Amt Soltau, eingetheilt 1861“



© NLA Hannover Kartensammlung Nr. 32 l Munster 13 m  
  
2. „Specialkarte der Forstinspektion Walsrode vom Forstrevier Munster Die Haidkrugsforst, eingetheilt 1860,  copiert 1864“  



© NLA Hannover Kartensammlung Nr. 32 l Munster 12 m  
  
3. „Brouillionkarte *1) der Königlichen Oberförsterei (Rehrhof) Munster – Die Neue-Heidkrugsforst“ vermessen 1861 – Waldzustand 1. Oktober 1879“
*1) = Brouillionkarte = 1. Kartenentwurf oder auch Originalkarte

© NLA Hannover Kartensammlung Nr. 32 l Munster 4 m  
  
4. „Specialkarte Die Neue-Heidkrugsforst der Königlichen Oberförsterei Rehrhof, vermessen und eingetheilt 1861 auf den Areal- und Waldzustand vom 1. Oktober 1879 vervollständigt und berichtigt.“

© NLA Hannover Kartensammlung Nr. 32 l Munster 8 m  
Der Name des „Neuen Heidkrug am Oerreler Moor“ änderte sich im Laufe der Jahre dann noch einmal. Bis zur Anlegung des Truppenübungsplatzes in diesem Gebiet war er als „Försterei Heidkrug“ ein Ortsteil von Oerrel. Postalisch war die Försterei aber wegen der besseren Erreichbarkeit Brockhöfe angeschlossen, wohl weil Oerrel zu weit weg und schlechter zu erreichen war. 1937 endet dann auch die Geschichte dieses Oerreler Ortsteils.
  
Wir setzen unseren Rundgang fort und kehren über den Moorweg bis zu den Forstabteilungen (Jagen) 261 und 262 zurück. Zum Jagen 261 ist anzumerken, dass sich darin in den 1960er Jahren eine kegelförmige Hütte befand, die allgemein als „Köhlerhütte“ bezeichnet wurde. Da die Oerreler Forst in dieser Gegend aber erst Ende des 19. Jahrhunderts angepflanzt worden ist, hat es hier wohl nie einen Köhler gegeben. Ein Köhler benötigt viel Holz, um daraus Holzkohle herzustellen. In früheren Jahren war die Bäume einfach zu jung, um daraus Holzkohle zu machen. In der Preußischen Grundkarte ist an der Stelle, wo die „Köhlerhütte“ einst stand, auch nur ein „Schuppen“ eingezeichnet. Wäre es 1899 eine Köhlerhütte gewesen, wäre dies in der Karte festgehalten worden.

Vom Moorweg aus geht es auf dem südlich des Jagens 262 gelegenen Weg zum heutigen Fischteich. Das Tal der Kleinen Oertze ist heute Naturschutzgebiet, so dass dieses Gebiet wieder der Natur überlassen ist. Daher kann man den Fischteich vom Weg aus nur noch zwischen den am Ufer stehenden Bäumen hindurch erkennen. Um 1900 sah es hier noch ganz anders aus. Vergleichen wir unseren Standpunkt mit der Preußischen Grundkarte aus jener Zeit, stellen wir fest, dass wir uns hier auf einem Damm mitten im See befinden würden. Der Damm verband an dieser Stelle das östliche mit dem westlichen Ufer.

Es muss eine beeindruckende Wasserfläche gewesen sein, denn der See reichte von hier jeweils einen Jagen weiter nach Norden und nach Süden bis zum nächsten Querweg. Im Norden sogar noch ein Stück über den nächsten Querweg hinaus. Besonders deutlich werden die Ausmaße des ehemaligen Sees auf einem Luftbild, das 1945 kurz vor Ende des 2. Weltkriegs ausgenommen wurde. Deutlich ist in der oberen Bildmitte die helle Fläche des ehemaligen Sees zu erkennen, in der sich deutlich die schwarze Fläche des heute noch vorhandenen Fischteichs abgrenzt.
 Die zwei bilder aus 1899
Quelle: Auszug aus den Geodaten des Landesamtes für
Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen
©2021 Homepage des LGLN www.lgln.de



  
Die farblichen Markierungen wurden von uns hinzugefügt.
Der große See wurde wahrscheinlich nicht nur zur Entwässerung des Moores angelegt, sondern diente im Rahmen der Aufforstungen auch zur Bewässerung der neu angepflanzten Bäume. Ansonsten gab es hier ja weit und breit kein Wasser. Um das Wasser weiträumig zu verteilen, nutzte man sicherlich die direkt am See vorbeiführende Waldbahn. Für die Vermutung, dass der See vorrangig zur Bewässerung der Anpflanzungen angelegt wurde, spricht die Tatsache, dass er bereits in den 1930er Jahren nicht mehr in dieser Größe vorhanden war. Auf späteren Karten ist immer nur der heute noch vorhandene Fischteich eingezeichnet. Was auch durch die Luftbildaufnahme von 1945 bestätigt wird. Zu erkennen ist auch, dass die Kleine Oertze nicht mehr durch den Teich fließt, sondern dran vorbei.

Die Karte von 1899 lässt sich über den nachfolgenden Link sehr gut mit dem vom LGLN bereitgestellten Geobasisdaten-Viewer mit einem heutigen Satellitenbild vergleichen, indem die vorhandene Trennlinie hin und her verschoben wird.


Um zum damaligen Südufer des Sees zu gelangen, müssen wir  einen Jagen weiter flussabwärts gehen. Denn dort führte um 1900 die Strecke der Waldbahn von Oerrel nach Brockhöfe/Bhf. an dem See vorbei. Unseren ersten historischen Rundgang beenden wir, indem wir mit der Waldbahn nach Oerrel zurückfahren. Von ehemaligen Südufer des Sees führte die Strecke der wahrscheinlich von Pferden gezogenen Bahn über den Weg „Groß O“ bis zur Kohlenbissener Straße und von dort durch das damalige Dorf, wo sie schließlich gegenüber vom heutigen „7oo-Jahre-Stein“ (an der B 71) endete.
Dort werden wir unseren 2. Historischen Rundgang – dann durchs Altdorf – fortsetzen.
Auf der Rückfahrt werden wir uns jetzt aber noch mit der Geschichte der Waldbahn beschäftigen.
Zurück zum Seiteninhalt