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  Orle - Ort im Wald?

Im ersten Jahrtausend gab es in Nordostniedersachsen überall dichte Wälder, in denen die unterschiedlichsten Tiere – unter anderem Bären und Auerochsen - lebten. So auch an den Ufern der Oertze und ihrer Nebenflüsse. Die ersten Siedlungen wurden an geeigneten Plätzen – möglichst in der Nähe von Flüssen oder Bächen - am Rand dieser Wälder errichtet. Dies erkennt man heute noch an vielen Ortsnamen, in denen der Bezug zum Wald erhalten geblieben ist. Meines Erachtens spricht vieles dafür, dass dieser Bezug auch im Namen „Orle“ steckt und sich dieser Name nicht von „Orla“ herleitet.  

Nicht der Bach gab unserem Dorf den Namen, sondern die Beschreibung der Stelle, wo er entstanden ist. Nämlich am Waldrand. Und so könnte er als „Ort-Loh“ bezeichnet worden sein. Der alte Flurname „lôh“ bedeutet „Wald“ und dieses althochdeutsche Wort „lôh“ oder „“ ist in vielen Ortsnamen zu finden – zum Beispiel in Breloh. Ausführliche Informationen zu  den Flurnamen „Loch / Loh“ und deren Wortherkunft bei Ortsnamen findet man bei Wikipedia unter


Wie aus diesem Wikipedia-Artikel hervorgeht, ist „lôh“ im gesamten deutschen Sprachraum namensbildend und in zahlreichen Variationen zu finden, die da sind „la, le, leo, lach, lo, loch, lohen, luch, lauch, loach.“ Das „le“ wurde von mir hervorgehoben, weil es m E. im Ortsnamen Orle enthalten ist. Damit könnte das -le am Ende des Namens auf das ursprüngliche „Loh“ für „Wald“ hindeuten.  

Die erste Silbe or- könnte sich vom altsächsischen „ord“ oder dem mittelniederdeutschen „ort“ – beides u. a. für Rand, Spitze, Ecke – herleiten. So werden im „Altdeutschen Wörterbuch“ von Oskar Schade aus dem Jahr 1882 unter „ort“ folgende Bedeutungen aufgeführt: „äußerster Punkt, Spitze, Anfang, Ende, Ecke, Rand, Saum, Seite“. Dieses Buch findet man online im Internet Archive und in einer früheren Ausgabe von 1866 in der Bayerischen Staatsbibliothek.





Demnach würde „Orle“ in etwa „Ort am Wald-Rand“ oder „Spitze am Wald“ bedeuten. Alle Bedeutungen würden auf die Lage des Dorfes in damaliger Zeit zutreffen, denn Wald gab es hier überall. Und wenn man sich den Verlauf der Kleinen Oertze anschaut, konnte es wahrscheinlich keinen besser ORT für eine Ansiedlung an diesem Bach geben. Denn nur an der Stelle, wo das alte Dorf lag, gibt es einen weiten flachen Uferbereich, der eine Ansiedlung möglich machte. Nördlich und südlich davon gibt es nicht nur viel sumpfiges Gelände, sondern auch ein steileres Ufer. Nördlich von der Ansiedlung lag auch ein großes und langegezogenes Moor, dessen Reste wir heute noch als Oerreler Moor kennen.

Dieser flache Uferbereich liegt zwischen den heutigen Straßen Forstweg und Am Westerfelde. Die flachste Stelle ist im Bereich des Wildackerweges, dem der Marcksche Hof – das heutige „Gut Orla“ – gegenüber liegt. Auf der anderen Seite dieses Hofes lagen noch bis in die 1970er Jahre hinein die Oertze-Wiesen. Und auch vom Kuhlmann`schen Hof am Forstweg hatte man in früherer Zeit einen weiten Blick über die Wiesen bis hinüber zum Hof Peters am Ende der heutigen Straße Unter den Buchen. Die fünf Höfe lagen im Halbkreis um die Oertze-Wiesen herum, so dass jeder Hof vom anderen aus zu sehen war. Die beiden anderen Peters-Höfe lagen nämlich links und rechts am Ende der heutigen Straße Zur Kleinen Oertze.
  
























© Ralf Quietmeyer
  
























© Waltraut Steinke
Diese beiden Bilder entstanden 1939 bzw. 1942 und zeigen jeweils den Hof Peters am Ende der Straße Unter den Buchen. Das Foto aus dem Jahre 1939 wurde vom Weg in der Verlängerung der Straße Zur Kleinen Oertze aufgenommen. Darauf ist neben dem Peters-Hof im Hintergrund die zu dieser Zeit entstandene „Kommandanten-Villa“ an der Kohlenbissener Straße zu erkennen. Das zweite Foto wurde 1942 vom Kuhlmann´schen Hof aus aufgenommen, der bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts zum Forsthaus umgebaut worden war.  

Kehren wir jetzt aber wieder in die Anfangszeit unseres Dorfes zurück, das nicht nur an der flachsten Uferstelle errichtet wurde, sondern auch in einem Gebiet, in dem der wahrscheinlich damals schon eher gradlinig verlaufende Bach einige Schleifen machte, wodurch sich das Tal der Kleinen Oertze an dieser Stelle weitete, bevor es südlich des Dorfes wieder schmaler wurde.  

Und genau hier ließen sich die ersten „Oerreler“ nieder. An dieser „Stelle“ entstand nicht nur das Dorf, sondern nach diesem „Ort“ könnte es meines Erachtens auch benannt worden sein. Orle – Ort im Wald. Demnach waren wir schon bei der Gründung das Walddorf Oerrel. Welche Herleitung des Namens zutrifft, lässt sich mit letzter Sicherheit wohl niemals sagen. Ich persönlich halte mittlerweile aber die „Ort im Wald“-Version für wahrscheinlicher als die Herleitung vom Namens des Baches.  

Wenn man sich das Blatt 84 - Munster – der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1775 anschaut entdeckt man darin auch die damals gebräuchlichen Flurnamen. Direkt über dem Ortsnamen „Oerrel“ ist das „Ort Feld“ eingezeichnet. Mit diesem Flurnamen wird das Feld bezeichnet, das direkt am Rand des Dorfes oder am Waldrand liegt. Südwestlich von Oerrel liegt das „Emloh“ und südöstlich das „Kreloh“ Anhand dieser Flurnamen ist zu erkennen, dass die alten Wörter „ort“ und „loh“ auch hier gebräuchlich waren. Demnach könnten sie auch ursprünglich beim Ortsnamen verwendet worden sein.  

Die Endung -le kam allerdings nicht sehr häufig vor. So wurden 1450 im Gebiet des „Winsener Schatzregisters“, das in etwas die heutigen Landkreise Harburg, Lüneburg, Uelzen, Lüchow-Dannenberg und die nördlichen und östlichen Gebiete des ehemaligen Landkreisen Soltau umfasst, nur drei Ortschaften erfasst, nämlich Stelle bei Winsen, Wele - das heutige Welle – und unser Orle. Theodor Meyer, der 1891 ein Buch über das Schatzregister geschrieben hat, zählt darin alle Ortschaften mit den Endungen -ell und -le zu den Ortschaften, die auf -lo (lôh) enden. Auf dieses Buch und das Winsener Schatzregister kommen wir gleich noch zurück.

Hier erst noch weitere Quellenangaben zur Herleitung des Ortsnamens „Orle“ von „Loh, -le“ = Wald.  

Ort – Wiktionary    Rand, Ecke, Spitze usw. mittelhochdeutsch und mittelniederdeutsch


Und auch im Mittelniederdeutschen Wörterbuch von Gerhard Köbler sind diese Hinweise zu „ort“ und „lô“ zu finden.


Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es das Wort „Orle“ auch als regionale Bezeichnung für bestimmte Baumarten gibt. Beispielsweise findet man es im Internet bei „DeWiKi“  unter den zahlreich aufgeführten Trivialnamen für die Schwarz-Erle. Da es an der Kleinen Oertze viele Schwarzerlen gibt, wäre auch diese Herleitung denkbar, allerdings wird dieser Name bei „DeWiKi“ aus dem Althochdeutschen hergeleitet und das wurde in Norddeutschland eigentlich nicht gesprochen. Insofern dürfte diese Herleitung eher unwahrscheinlich sein, was auch für den im landesgeschichtlichen Informationssystem für Hessen im südhessischen Wörterbuch gefundene lokalen Namen „Orle“ für die Ulme bzw. für den Ahorn zutrifft.



Vom Ortsnamen „Orle“ lässt sich also keine genaue Zeit der Gründung des Dorfes herleiten. Die einfachen Menschen konnten weder lesen noch schreiben. Alles Wichtige wurde in den Städten von Stadtschreibern und in den Klöstern von Mönchen aufgeschrieben. Daher sind heute noch erhaltene alte Stadt- bzw. Kirchen- und Klosterbücher wichtige historische Quellen. Eine dieser Städte, aus denen das alte Stadtbuch erhalten blieb, ist „Modestorpe“, das heutige Lüneburg.

Daher haben wir es dem Stadtschreiber von „Modestorpe“ (Lüneburg) zu verdanken, dass wir heute wissen, dass es unser Dorf Oerrel (Orle) bereits zum Anfang des 14. Jahrhunderts gab. Aber nicht nur dem Lüneburger Stadtschreiber, sondern auch einem Mann namens „Sanderus“, der im Jahre 1308 Orle (Oerrel) verlassen und in Modestorpe (Lüneburg) neu angefangen hat. Denn dort wurde seit 1289 jeder Neubürger mit seinem Herkunftsort ins Bürgerbuch „Donatus burgensium antiquus“ eingetragen. In diesem Bürgerbuch findet man unter dem Jahr 1308 auch den in Latein geschriebenen Eintrag: „Sanderus de Orle“, was übersetzt „Sander aus Orle“ heißt.  

Im Jahr 1903 hat Wilhelm Reinecke sein Buch „Lüneburgs ältestes Stadtbuch und Verfestungsregister“ herausgegeben, in dem er eine komplette Abschrift des „Donatus“ der Jahre 1289 bis 1399 veröffentlichte. Im „Kapitel 3“ der Einleitung seines Buches erläutert Reinecke die Bedeutung des Wortes „Donatus“. Ursprünglich verstand man da drunter ein Hilfsbuch zur lateinischen Grammatik, das ständig zur Hand genommen wurde. Später übertrug man den Namen „Donatus“ auf alle Bücher, die im städtischen Rechts- und Geschäftsleben oft zur Hand genommen wurden.  

Das Buch von Wilhelm Reinecke kann online im „Internet Archive“ eingesehen werden. Unter den ersten der beiden nachfolgenden Links gelangt man auf die Startseite des Buches. Unter dem zweiten kommt man auf die Seite auf der „Sanderus de Orle“ eingetragen wurde. Bei diesem Link ist die Suchfunktion bereits mit dem Wort „Orle“ hinterlegt, so dass die entsprechenden Fundstellen im Buch auf der linken Seite angezeigt werden. Durch Anklicken des Textes in der Suchfunktion wird die jeweilige Seite im Buch aufgeschlagen. Die Seiten des Buches können auch vergrößert betrachtet werden. Auf der Seite 133 findet man die Abschrift des Textes aus dem Original-Bürgerbuch. Auf den beiden anderen Seiten ist „Orle“ im Orts- bzw. im Personenregister des Buches aufgelistet. Bitte beachten, dass die digitalen Seitenzahlen nicht mit den Seitenzahlen des Buches übereinstimmen.



Durch diesen Eintrag ins Stadtbuch wissen wir, dass es „Orle“ im Jahre 1308 gab. Das beweist aber auch, dass unser Dorf noch älter ist, denn „Sanderus“ konnte ja nur aus einem bereits bestehenden Dorf nach Lüneburg kommen. Außer seinem Namen wissen wir über diesen „ersten Oerreler“ nicht sehr viel. Er hatte nur diesen Vornamen und noch keinen Nachnamen. Die Einträge ins Stadtbuch wurden in Latein geschrieben. „Sanderus“ ist also der lateinische Name unseres Mannes aus Orle. Dort wurde er wahrscheinlich eher „Sander“ genannt, denn „Sander“ ist das im 12. und 13. Jahrhundert entstandene und damals häufig benutzte Kurzwort für Alexander.  

Zu dieser Zeit hatten die meisten Menschen nur einen Vornamen und keinen Familiennamen. Diese entstanden zu Beginn des 14. Jahrhunderts erst nach und nach, wohl auch um die vielen Menschen mit gleichen (Vor-)Namen besser zu unterscheiden. Als Vorname ist „Sander“ zwar ab dem 17. Jahrhundert wieder verschwunden, als Familienname ist er aber bis heute erhalten geblieben. Laut Wikipedia kann sich der Name Sander aber auch von einer Wohnstätte, die auf sandigem Gelände errichtet wurde, herleiten. Diese Herleitung des Namens wäre auch für „unseren“ Sander aus Orle denkbar, dann wäre er hier vielleicht sogar geboren, denn (Heide-)Sand gab es hier immer schon reichlich. So oder so ist er nicht nur der erste sondern auch der erste namentlich bekannte Oerreler. Aber dies ist er auch nur deshalb, weil er das Dorf verlassen hatte, um künftig in der Stadt zu leben.  



Das Original des ältesten Lüneburger Stadtbuchs befindet sich heute noch im Stadtarchiv in Lüneburg. Hier noch eine Anmerkung zu der im Titel des Buches von Wilhelm Reinecke enthaltene Bezeichnung  „Verfestungsregister“. Wie er im Buch ausführlich beschreibt, wurden darin die Personen aufgeführt, die sich in Lüneburg eines „leichten“ Vergehens (also nicht Mord oder Totschlag) schuldig gemacht und dafür als Bestrafung - oder wenn sie sich ihrer Bestrafung durch Flucht entzogen - ihre Stadtrechte verloren hatten. Wer darin eingetragen war, durfte sich nicht mehr in der Stadt aufhalten.  

Das Stadtbuch ist zwar ein historisches Dokument, aber es ist keine Urkunde. Da aber nur Urkunden die Existenz einer Person oder Sache amtlich belegen, gilt der Eintrag ins Stadtbuch im Jahre 1308 noch nicht als urkundlicher Nachweis, dass es Oerrel schon gab. Doch zu einem solchen amtlichen Nachweis kam es nur ein Jahr später.  

Aus dem Jahr 1309 stammen die ersten urkundlichen Erwähnungen unseres Dorfes. Diese Urkunden befinden sich heute im Landesarchiv in Hannover. Die Veröffentlichung auf unserer Homepage erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Landesarchivs.  

Der lateinische Text sowie eine zusammengefasste Übersetzung der Urkunden sind auch im „Urkundenbuch des Klosters Michaelis in Lüneburg“ erfasst, das 1860/61 im Auftrag der „Lüneburger Landschaft“ *1) herausgegeben wurde. Die in diesem Buch vorhandene Nummerierung der Urkunden weicht von der heutigen im Landesarchiv Hannover verwendeten Nummerierung der Originalurkunden ab. Im nachfolgenden Text ist jeweils die Nummer aus dem Urkundenbuch angegeben. In der Quellenangabe ist die Nummer der Originalurkunden aus dem Landesarchiv angegeben.  

In den vier Urkunden ist Oerrel als villa Orle erwähnt.
© Niedersächsisches Landesarchiv Hannover

Dieses Archivgut ist Eigentum des Niedersächsischen Landesarchivs in Hannover. Ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Niedersächsischen Landesarchivs dürfen diese Abbildungen nicht gespeichert, reproduziert, archiviert, dupliziert, kopiert, verändert oder auf andere Weise genutzt werden.

In diesen vier Urkunden ist Oerrel als villa Orle erwähnt:

  • Urkunde 102 vom 10. Februar 1309: Heinrich von Boizenburg, Verdener Domherr und Archidiakon in Modestorpe (Lüneburg), verkauft dem Kloster St. Michael in Lüneburg den großen und kleinen Zehnten*2) in Örrel (villa Orle) (im Kirchspiel Munster, Amt Ebstorf) unter dem Versprechen, das Eigentumsrecht daran von der Verdener Kirche zu erwirken.
  • Urkunde 210 vom 20. Dezember 1309: Bischof Friedrich von Verden schenkt dem Kloster St. Michael in Lüneburg seine Gerechtsame*3) an dem Zehnten*2) in Örrel (villa Orle) (im Kirchspiel Munster, Amt Ebstorf).
  • Urkunde 217 vom 30. Dezember 1311: Bischof Friedrich, Propst Albert, Dekan Geltmar und das Domkapitel in Verden schenken dem Kloster St. Michael in Lüneburg das Obereigentum an den, von demselben erworbenen Zehnten*2) in Örrel (villa Orle) (im Kirchspiel Munster, Amt Ebstorf), Heinsen (im Kirchspiel Embsen, Amt Lüne), Nindorf an der Schmalen Aue (im Kirchspiel Egestorf, Amt Winsen an der Luhe) und Bohndorf (im Kirchspiel Alt-Medingen, Amt Lüne).
  • Urkunde 481 vom 19. November 1347: Knappe Johann von Oedeme verkauft dem Mönch Anton von Melbeck in Lüneburg einen halben Hof in Örrel (villa Orle) (Im Kirchspiel Munster, Amt Ebstorf) mit Vogtei.
Anmerkungen:  
Quelle: Urkundentitel Niedersächsisches Landesarchiv Hannover.  
*1) Mit „Lüneburger Landschaft“ ist hier nicht die Natur oder „Lüneburger Heide“ gemeint, sondern die Vertretung der Bevölkerung des Fürstentums Lüneburg. Nähere Informationen zur heute noch bestehenden „Landschaft Lüneburg“ sind im Internet unter folgenden Link zu finden:


*2) = Der Zehnte war eine etwa zehnprozentige (Kirchen-) Steuer, die in Form von Geld oder Naturalien an eine geistliche (Kirche, Kloster) oder weltliche (Herrscher) Einrichtung zu zahlen war.  
*3) = Die Gerechtsame ist eine veraltete Bezeichnung für zum Beispiel ein Nutzungsrecht, Privileg oder eine Befugnis an einer bestimmten Sache. In diesem Fall an dem Zehnten.  
Das Urkundenbuch des Klosters St. Michaelis zu Lüneburg kann unter dem nachfolgend aufgeführten Link bei google.books.de eingesehen werden. Dort findet man die entsprechenden Urkunden, wenn im Eingabefeld „Im Buch suchen:“ das Wort Orle oder Örrel (diese Schreibweise beachten) eingegeben wird. Dagegen helfen die Nummern der Urkunden bei der Suche nicht so schnell weiter, da in diesem Buch mehrere Jahrgänge des Urkundenbuchs zusammengefasst sind und die Urkundennummern daher mehrfach vorkommen.  
Da der Link eigentlich so eingestellt ist, dass sofort eine Seite mit einer Urkunde über „Örrel“ angezeigt wird, gelangt man in der Kopfzeile über „zurück“ und „weiter“ zu den drei anderen Urkunden.
Im Internet bin ich auf die interessante Geschichte von Mechthild von Lüneburg gestoßen, die der mecklenburgische Fürst Heinrich der I. von Werle nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahr 1291 geheiratet hatte. Nach der Ermordung Heinrich des I. am 8. Oktober 1291 durch seine beiden Söhne aus 1. Ehe suchte sie Zuflucht im Kloster Wienhausen. Unter anderem verlieh sie dem Sankt Michaelis-Kloster in Lüneburg eine Schenkung von Zehnten, so dass sie im „Todtenbuch“ des Klosters mit folgendem Text eingetragen wurde:

Jahr 1302 (oder später) *1)

VI Idus Januarii obiit domina Methildis de Slauia, que dedit III partes in decima in Orle . . . . et casulam illam cum margaritis. „

Was übersetzt heißt:          Im Jahr 1302 oder in den Jahren danach *1)

Am 6. Januar starb Herrin Methildis (Mechthild) von Slauia, die den 3. Teil eines Zehnten in Orle gab …. und das Haus Magarita
*1) Aus diesem Eintrag ins Totenbuch des Sankt Michaelis-Klosters geht zwar hervor, dass Mechthild von Lüneburg an einem 6. Januar starb, aber nicht in welchem Jahr. Im Totenbuch des Klosters Wienhausen ist dagegen der 8. Januar als ihr Todestag eingetragen worden. Auch hier fehlt die Jahresangabe. Sicher ist damit nur, dass es nach dem Jahr 1301 gewesen sein muss. Begraben wurde sie im Kloster Wienhausen, wo ihr Grabstein zwar vorhanden aber dessen Inschrift nicht mehr lesbar ist.  

Vom Landesarchiv Hannover habe ich auf Nachfrage, ob der Eintrag ins Nekrologium des Sankt-Michaelis-Klosters eventuell als eine frühere Ersterwähnung von Orle angesehen werden kann, folgende Antwort erhalten:  

Da Nekrologe dem Totengedenken am jeweiligen Todestag der darin verzeichneten Personen dienen, ist der Todestag wichtig, das Todesjahr hingegen nicht. Vermerkt werden auch Wohltaten der Verstorbenen, hier die Schenkung von Teilen des Zehnten in Orle an das Kloster St. Michael.

Wenn die Angaben der zitierten Autoren aus dem 19. Jahrhundert stimmen, dass Mechthild von Lüneburg identisch ist mit der im Nekrolog genannten Methildis de Slavia, wofür einiges spricht, und auch die genannten Sterbejahre ab 1301 stimmen, bleibt das Problem, dass der Eintrag im Nekrolog nicht datiert ist. Es ist bekannt, dass die Schenkung an St. Michael spätestens mit ihrem Tod geschehen sein muss, aber nicht, wann der Schreiber „Orle“ notiert hat. Anders ist es in einer Urkunde, in der der Inhalt unmittelbar datiert wird, also bekannt ist, wann die Urkunde geschrieben wurde. Eine frühere Ersterwähnung Orles als 1309 kann also aus den o.g. Textstellen leider nicht festgestellt werden.“
Auch wenn dies kein früherer urkundlicher Nachweis ist, zeigt es doch, dass es unser Dorf bereits gab, denn ansonsten hätte Mechthild zu ihren Lebzeiten ja nicht „den Zehnten“ in Orle verschenken können. Wer mehr über Mechthild von Lüneburg erfahren möchte, kann dies unter den beiden nachfolgenden Links tun. Unter den Links ist in der Suchfunktion bereits „Orle“ hinterlegt. Sollte sich der Link nicht mit dieser hinterlegten Seite öffnen, dann muss in der Suchfunktion Orle eingegeben werden.

Zu finden ist der Eintrag ins Nekrolog des Klosters in Lüneburg im 5. Band vom „Mecklenburgischen Urkundenbuch“ das im Jahr 1869 vom „Verein für Mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde“ herausgegeben wurde und in dem die Urkunden der Jahre 1301 bis 1311 veröffentlicht wurden. Dieser Eintrag ins Nekrolog des Lüneburger Klosters wurde deshalb ins Mecklenburgischen Urkundenbuch aufgenommen, weil Mechthild mit einem mecklenburgischen Fürsten verheiratet war.  


Über die Geschichte von Mechthild von Lüneburg findet man im Dokumentenserver der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern einen ausführlichen Beitrag (beginnt dort mit der Seite 26). Über den Eintrag ins Nekrolog des Michaelis-Kloster in Lüneburg wird auf Seite 31 berichtet.  


Auch Anton Christian Wedekind ging 1835 im 2. Band seines Buches „Noten zu einigen Geschichtsschreibern des Deutschen Mittelalters“ (Seite 398) kurz auf diesen Eintrag ins Nekrolog St. Michaelis ein. Zu dieser Seite gelangt man direkt, wenn in der Suchfunktion „Orle“ eingegeben wird.  




Ein Jahr später – 1836 – erscheint sein 3. Band „Noten zu einigen Geschichtsschreibern des Deutschen Mittelalters“. Dieses Buch beginnt mit dem Abdruck seiner im Jahr 1833 erschienen Veröffentlichung des „Nekrologium monasterii S. Michaelis“ aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Darin sind mehrere Einträge enthalten, in denen „Orle“ vorkommt. Gleich auf der 2. Seite findet man wieder den Eintrag ins Nekrolog über die verstorbene Mechthild.  

Die übrigen sechs Einträge in denen „Orle“ vorkommt findet man wieder über die Suchfunktion – dort wieder „Orle“ eingeben. Die angezeigten Seiten werden eventuell nicht in der richtigen numerischen Reihenfolge angezeigt, können aber durch Anklicken komplett eingesehen werden. Von der ersten geöffneten Seite gelangt man durch „weiter“ klicken auf die nächsten Seite, ohne wieder über die Suchfunktion zu müssen.

Die Einträge im Nekrologium sind nicht nach Jahren, sondern nach Monaten geordnet, da – wie bereits erwähnt - die Jahreszahlen in einem Nekrolog nicht von Bedeutung waren. Eine genaue zeitliche Zuordnung ist daher nicht möglich. Die Einträge erstrecken sich in diesem Nekrolog vom 13. bis ins 15. Jahrhundert. Bei allen Einträgen geht es um den Zehnten in Orle.  


Ein weiterer für unsere Namensforschung interessanter früherer Historiker und Bibliothekar ist Ludwig Albrecht Gebhardi, der zwischen 1762 und 1798 seine handgeschriebene „Collectanea“ ( Sammlung) der „Auszuege und Abschriften von Urkunden und Handschriften, welche vornemlich das Herzogthum Lueneburg betreffen“ zusammenstellte. Also auch die Texte der ersten Urkunden, in denen Oerrel (Orle) erwähnt wird.

Gebhardi`s Werk besteht aus insgesamt 15 Bänden, die sich heute alle in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek - Niedersächsischen Landesbibliothek – befinden und über deren Digitale Bibliothek online öffentlich zugänglich sind, so dass wir einen Blick in diese Bücher werfen können. Da diese Bücher handschriftlich verfasst wurden, funktioniert die Suchfunktion in der Online-Version leider nicht. Dennoch habe ich die uns betreffenden Urkunden in den Büchern gefunden.  

In der Digitalen Bibliothek der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek können die Bücher entweder über die Werksansicht oder über den DFG-Viewer betrachtet werden, zu dem man jeweils von der Werksansicht aus über den Button oben rechts gelangt.  

Für alle, die selbst im jeweiligen Band des Gesamtwerkes blättern möchten, wird zuerst immer der Link zur Startseite des Buches in der Werksansicht der Bibliothek angezeigt. Über alle weiteren Links zu einem der drei hier präsentierten Bände kommt man ebenfalls direkt auf die zuvor beschriebene Seite im Buch, auf der „Orle“ zu finden ist. Bei den Seitenzahlen ist zuerst immer die digitale Seitennummer in Klammern angegeben, da die betreffende Seite nur darüber online zu finden ist. Dahinter steht jeweils die Seitennummer aus dem Originalbuch. Die aufgerufenen Buchseiten können sowohl in der Werksansicht als auch im DFG-Viewer vergrößert betrachtet werden.

Wir beginnen mit dem 1772 entstandenen „Siebender Theil“ des Gesamtwerkes, da wir darin die ersten urkundlichen Erwähnungen von „Orle“ aus den Jahren 1309, 1311 und 1347 finden. Wer selbst suchen möchte, gelangt über diesen Link zur Startseite dieses Bandes in der Werksansicht:
  
Im Smartphone empfiehlt es sich den DFG-Viewer zu benutzen.


  

Die Liste sämtlicher Urkunden aus dem Urkundenbuch des Sankt-Michaelis-Klosters in Lüneburg ist ab der Seite 39 - Originalseite 15 im Buch zu finden. Die Urkunden aus den Jahren 1309 und 1311, in denen „Orle“ vorkommt, sind auf der Seite (42) – 18 oberhalb der Mitte des Blattes aufgelistet. Die erste Urkunde vom 13. Februar 1309 findet man sehr einfach, da sie von Gebhardi in der rechten Spalte im 2. Absatz - gleich nach dem großen Zwischenraum – vermerkt wurde. Dort steht das Wort „Orle“ in der ersten und zweiten Zeile. Die Zahl 253 am Ende der 2. Zeile verweist auf die Fundstelle im Buch, unter der Gebhardi den kompletten Urkundentext aufgeschrieben hat. Darauf kommen wir gleich noch zurück.

Die zweite Urkunde vom 20. Dezember 1309 hat Gebhardi auf dieser Seite in gleicher Höhe in der linken Spalte registriert und dahinter die Zahl 450 als Fundstelle in seinem Buch für den Urkundentext vermerkt.  

Bei der dritten „Orle“-Urkunde vom 30. Dezember 1311 handelt es sich um die erste unter dem Jahr 1311 in der linken Spalte aufgelisteten Urkunde. Darin taucht das Wort „Orle“ zwar nicht auf, aber da für das Jahr 1311 nur zwei Urkunden aufgelistet sind, war eine Zuordnung anhand des Urkundentextes, den Gebhardi unter der Zahl 451 aufgeschrieben hat, schnell möglich.  

Zur vierten Urkunde vom 19. November 1347 gelangt man eine Seite weiter – einfach weiterblättern auf die Seite (43) – 19. Den Hinweis zu dieser Urkunde findet man dort aber nicht – wie erwartet – in der linken Spalte nach dem größeren Zwischenraum unter dem Jahr 1347. Offensichtlich hatte sich Gebhardi vertan und diese Urkunde versehentlich unter dem Jahr 1340 vermerkt. Später hat er seinen Fehler aber erkannt und durch einen Verbindungsstrich zwischen den Jahren 1340 und 1347 korrigiert. Folgt man diesem Strich nach oben, findet man die Stelle an der diese Urkunde vermerkt wurde. Mit dem Strich hat Gebhardi uns das Auffinden erleichtert.

Hier der Link zur Seite (42) – 18 über die man oben links eine Seite weiter klicken und so zu Seite (43) – 19 blättern kann.  



Im Buch sind die jeweiligen Urkundentexte anhand der von Gebhardi zugeordneten Ziffern zu finden, was in der Online-Version allerdings nicht so einfach ist. Daher können hier die für uns interessanten Seiten über die nachfolgenden Links direkt aufgerufen werden. Geöffnet wird jeweils die Seite, auf der im Urkundentext „Orle“ steht. Die Ansicht ist jeweils auch im DFG-Viewer möglich.  

Die Ziffer 253 ist untergliedert in 253 c und 253 d, da Gebhardi zwei verschiedene Urkundentexte aufgeschrieben hat. Der Inhalt der Urkunde vom 10. Februar 1309 beginnt in seinem Buch unter der Ziffer 253 c auf Seite (354) – 315 unten und setzt sich auf der nächsten Seite fort. Dort steht „Orle“ gleich zu Beginn der 1. Zeile.

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Der Text der Urkunde vom 20. Dezember 1309 beginnt unter der Ziffer 253 d auf der Seite (352) – 313. „Orle“ findet man auf der nächsten Seite (353) – 314 in der 11. Zeile von oben.

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Diese Urkunde wurde im Buch – wahrscheinlich versehentlich – nicht nur zweimal in der Übersicht erfasst, sondern auch bei den Urkundentexten unter zwei verschiedenen Zuordnungsnummern aufgeschrieben, da anscheinend mehrere Personen die Texte aufgeschrieben haben, was an den unterschiedlichen Handschriften erkennbar ist. Das zweite Mal findet man den Text dieser Urkunde unter der Ziffer 450 im unteren Drittel der Seite (506) – 467. Dort steht „Villa Orle“ am Ende der 6. Zeile von unten.  

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Nur eine Seite weiter im Buch  - weiterklicken auf die Seite (507) – 468 - kommt man zur Ziffer 451, unter der der Text der Urkunde vom 30. Dezember 1311 festgehalten wurde. Hier findet man „Orle“ als letztes Wort in der 10. Zeile von oben.  

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Der Text zur Urkunde vom 19. November 1347 ist unter der im Register genannten Nummer 49 nicht zu finden. Unter dieser Nummer steht der Text einer anderen Urkunde. Da es in diesem Sammelsurium von Urkunden äußerst ungeordnet zugeht, ist es mir bisher nicht gelungen, diesen Text an einer anderen Stelle im Buch zu finden. Insofern fehlt der Text dieser Urkunde an dieser Stelle.

Der ebenfalls 1772 entstandene „Achter Theil“ dieser Sammlungen von Gebhardi enthält ein um 1740 verfasstes „Verzeichniß aller Dörfer des Churfürstenthums Braunschweig-Lüneburg“ in dem auf Seite (254) – 206 unser Oerrel als „Örrel im Amt Ebstorf“ und das Oerrel bei Hankensbüttel als „Orrel“ (Amt Warenholz?) aufgeführt sind. Anscheinend wurde unser Dorf aber noch ein zweites Mal auf Seite (252) – 204 als „Öhrle im Amts Ebstorf“ aufgelistet. Das könnte daran liegen, dass sich um 1740 als das Verzeichnis entstand der Name von „Öhrle“ in „Örrel bzw. Oerrel“ änderte und unser Ort dadurch doppelt erfasst wurde.

Werksansicht (gwlb.de)  Link zur Startseite des 8. Teils   dfg-viewer.de

Werksansicht (gwlb.de) Seite (254)-206 und                  dfg-viewer.de

Werksansicht (gwlb.de) Seite (252)-204                         dfg-viewer.de

Weitere Seiten lassen sich direkt über die Seiten-Suchfunktion oben links aufrufen. So findet man in diesem Buch: Kohlenbissen auf der Seite (233) – 185 und auf der Seite (246) – 198 ist neben Munster auch Müden mit dem Zusatz „an der Oertze“ aufgelistet, woran zu erkennen ist, dass der Fluss um 1740 unter diesem Namen bekannt war.  

Der bereits 1762 entstandene „Erster Theil“ von Gebhardis umfangreicher Sammlung enthält unter anderem das „Verzeichnis der Aemter adlichen geschlossenen Gerichte und dazugehöriger Dörfer des Herzogthums Lüneburg. 1759.“ . In diesem Verzeichnis – mit Stand 1759 - sind beim Amt Ebstorf als Buchstabe „f“ auch die zur „Ohrl Feist“ - Oerrel Veest – gehörender Dörfer „Ohrl, Schmarbek, Ohöfte, Creutzen, Trauen und Poitzen (hier hat Hermannsburg 4 Höfe“ erfasst, die in der 2. Spalte aufgelistet sind. Da Kohlenbissen zu dieser Zeit zur Munsteraner Veest gehörte, ist es in der gleichen Spalte etwas höher unter „d. Munster Feist“ zu finden.  

Werksansicht (gwlb.de)                                              dfg-viewer.de

Einen kurzen Bericht über das Leben und die weiteren Werke von Ludwig Albrecht Gebhardi findet man bei Wikipedia unter:


Angeregt durch das Buch „Der Bardengau“ von Staatsminister Wilhelm Karl Konrad Freiherr von Hammerstein-Loxten, auf das ich später noch ausführlich eingehen werde,  wurde im Jahre 1891 von dem in dem Dorf St. Dionys (heute ein Ortsteil der Samtgemeinde Bardowik) an der St. Dionysiuskirche tätigen Pastor Theodor Meyer das Buch „Das Winsener Schatzregister“ herausgegeben. Dieses Schatzregister dokumentiert die Aufbringung des Landschatzes, worunter so was wie eine Grundsteuer zu verstehen ist. In seinem Vorwort schreibt Meyer, dass er mit seinem Buch erreichen will , dass der Inhalt des aus dem Jahre 1450 stammenden Schatzregisters erhalten bleibt, da es „für die Beurtheilung der ländlichen Zustände des Fürstenthums Lüneburg in hohem Grade bedeutsam ist.“ Im Buch befasst sich Meyer ab Seite 148 (Online-Seite 152) neben den Ortsnamen auch mit der Geschichte der Familiennamen, die im Winsener Schatzregister erstmals erfasst wurden.  

Das Buch findet man online beim Göttinger Digitalisierungszentrum, das von der SUB - Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen – betrieben wird. Dort kann es auch über einen Link im DFG-Viewer betrachtet werden. Den Link dorthin findet man unter dem Button „Export“.

Das Winsener Schatzregister | GDZ (uni-goettingen.de)                         dfg-viewer.de

Auf der Seite 151 (Online 155) werden die im Schatzregister aufgeführten Maßeinheiten erläutert. Unterteilt wurde nach der Größe der Höfe. Ein Hof wird im Schatzregister als „Plog“ oder ½ Plog und in den Dörfern des heutigen Wendlandes als „Haken“ bezeichnet. Kleinere Höfe wurden als Coten, kleine Coten und Anbauerstellen oder im wendischen als Cossatorstellen“ registriert. Der sächsische Pflug (plog) enthielt 2 sächsische „Hufen“, was 60 Morgen entsprach.  

Der wendische „Haken“ enthielt 2 wendische „Hufen“ ( = 30 Morgen). Ein halber Pflug waren also eine Hufe oder 30 Morgen. Der wendische Haken entsprach demnach einem halben sächsischen Pflug. Die Abkürzung „kh“ wird von Pastor Meyer als Bezeichnung für „kleine Coten“ <siehe Seite 151/(155)> gedeutet.  

Das Schatzgeld betrug für einen Plog (= Hof) 2 Mark, für einen ½ Plog 1 Mark, für eine Cote waren es 8 Schillig und etwas weniger - 6 Schilling - für eine kleine Cote. Ausführliche Informationen dazu findet man im „Ersten Capitel“ des Buches.  

Oerrel ist im Winsener Schatzregister von 1450 zweimal aufgeführt, da die Höfe unterschiedlichen Stellen gegenüber schatzpflichtig waren. Da Meyer in seinem Buch sämtliche Einträge aus dem Winsener Schatzregisters von 1450 originalgetreu übernommen hat , findet man dort „Orle“ zweimal, zuerst auf der Buchseite 24 (Onlineseite 28). Dort sind die Hofbesitzer „Reder“ mit „1 pl dt.“ (= 1 Plog = Pflug) und „nunc Titeke“ mit „kh“ (= kleine Cote) aufgeführt. Das zweite Mal auf der Buchseite 89 (Online 93), wo unter „Orle“ die Hofbesitzer „Ludeke Reders“ mit 1 Plog, „Hilmer wichtendalsz“ ½ Plog dt. 1 Mark und „Hilmer oltwerdes“ mit 1 Plog dt. 2 Mark aufgelistet sind.  

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Demnach gab es in Orle im Jahr 1450 fünf Höfe. Drei davon waren Vollhöfe, einer war ein Halbhof und einer wurde als „kleine Cote“ bezeichnet. Die beiden Hofbesitzer mit Namen „Reder“ und „Reders“ dürften miteinander verwandt gewesen sein – wahrscheinlich waren es Vater und Sohn. Wir erinnern uns, dass die Entstehung der Nachnamen in Norddeutschland mit dem 13. Jahrhundert begann, also in der Zeit, als das Winsener Schatzregister entstand. Zu dieser Zeit war diese Entwicklung in den ländlichen Regionen der Lüneburger Heide und des Wendlandes aber noch nicht abgeschlossen, wie Meyer im „Ersten Capitel – Verfasser, Einrichtung und Umfang des Registers“ seines Buch – ab Buchseite 148 (Online 152) – erwähnt.  

Vielleicht verraten uns die im Schatzregister festgehaltenen Namen, woher die Menschen kamen, die damals in Oerrel (Orle) lebten. Mit Hilfe der Website „Deutsche-Nachnamen.de“, deren Texte wir hier mit freundliche Genehmigung des Herausgebers übernehmen dürfen, machen wir uns auch hier auf Spurensuche.


Zum Namen „Reder“ finden wir dort folgende Hinweise:

aus einer verschliffenen Form der alten deutschen Rufnamen Rarheri, Retheri zu althochdeutsch rîki (mächtig, reich) + heri (Kriegsschar, Heer) entstandener Familienname; auch Berufsname zu mittelhochdeutsch rëder (Mehlsieber, Mühlknecht); auch niederdeutscher Berufsname zu mittelniederdeutsch reder (Ausrüster, Reeder); auch Übername oder Amtsname zu mittelhochdeutsch redære, redenære (Redner, Schwätzer; Anwalt vor Gericht, Verteidiger); auch Übernamen zu mittelniederdeutsch rader (Berater)

  • Rederus de Berchdorpe (1292), Cunradus Reder (1296)

Und zum Namen „Reders“:
patronymische Bildung zu Reder
  • Johann Rederi (1284)


Patronymisch bedeutet ein vom Vornamen des Vaters abgeleiteter Name

Da hier mittelniederdeutsch gesprochen wurde, dürfte die Bedeutung „Ausrüster“ oder eventuell auch „Berater“ am wahrscheinlichsten sein.  

Während der Vater nur den Vornamen „Reder“ trug, wurde dieser Name als „Reders“ zum Nachnamen des Sohnes, der zur besseren Unterscheidung noch den Vornamen „Ludeke“ erhalten hatte. Dieser Vorname dürfte von „Ludwig“ oder „Ludolf“ abgeleitet sein. Hinweise dazu finden wir unter dem Nachnamen „Lüdeke“ bei „Deutsche-Nachnamen.de“:
Lüdeke / Lüddecke / Lüdicke / Lüdke / Lüdtke / Luedtke / Lüdcke / Lüddeckens:

aus einer mit dem Suffix -k gebildeten Koseform von Ludolf oder von Ludwig hervorgegangene Familiennamen
  • Liudico (um 900), Ludeke(n) (1311)

Weiter finden wir im Schatzregister unter Orle den (Vor-)Namen „Titeke“ dem das lateinische Wort „nunc“ (= jetzt) vorangestellt wurde, was laut Meyer für „nunc scriptus“ steht und womit im Schatzregister darauf hingewiesen wurde, dass diese Person schon einige Jahre vor 1450 in einem früheren Registern erfasst worden ist. Demnach dürfte „Titeke“ schon längere Zeit vor 1450 in Orle gelebt haben. Frühere Schatzregister liegen uns heute aber nicht mehr vor.  

Zum Namen „Titeke“ finden wir bei „Deutsche-Nachnamen.de“ keinen direkten Eintrag. Allerdings gibt es ähnliche Namen, die sich alle von „Tied“ bzw. „Tiede“ und damit von „Dietrich“ herleiten:

aus einer niederdeutschen Koseform von Rufnamen, die das Namenwort thiad enthalten (im Allgemeinen Dietrich), entstandene Familiennamen
  • Anna Dorothea Tiede (1685)

Tiedchen / Tiedecke / Tiedecken / Tiedeke / Tiedeken / Tiedicke:  
aus einer Erweiterung mit dem Suffix -chen/ -ecke/ -ecken/ -eke/ -eken/ -icke von Tied entstandene Familiennamen
  • Marten Tiedchen (1650)

Demnach dürfte für unseren „Titeke“ auch die Herleitung von „Dietrich“ zutreffen. Da er noch keinen Nachnamen hatte und – wie bereits erwähnt – schon länger in Orle lebte, dürfte er mit großer Wahrscheinlichkeit ein „alter Orler“ gewesen sein, der hier vielleicht sogar geboren wurde. Er besaß den kleinsten Hof im Dorf, wie aus dem Eintrag „kh“ (= für kleine Cote) im Schatzregister hervorgeht.  

Anders als der einheimische „Titeke“ haben die beiden nächsten Dorfbewohner nicht nur einen Vornamen, sondern sogar den gleichen - „Hilmer“. Der früher auch als „Hilmar“ sehr beliebte Vorname ist laut Wikipedia abgeleitet vom germanischen „Hildemar“, was mit „kampfberühmt“ übersetzt wird. Später wurde aus diesem Vornamen dann ein Nachname, so dass er auch bei „Deutsche-Nachnamen.de“ mit dieser Herleitung zu finden ist:

Hillmer / Hilmer:
aus dem alten deutschen Rufnamen Hildemar zu althochdeutsch hilt(i)a, hiltja (Kampf) + zu althochdeutsch mâri (bekannt, berühmt, angesehen) hervorgegangene Familiennamen
  • Andreas Hilmer (1585), Christoph Hillmer (1638)

Doch 1450 war Hilmer noch ein beliebter Vorname, der im kleinen Orle gleich zweimal vorkam.

Der Nachname „wichtendalsz“ ist bei „Deutsche-Nachnahmen.de“ nicht erfasst. Da er sich aber aus den dort erwähnten Nachnamen „Wicht“ und „Dahl“ zusammensetzt, kann man die Namensherkunft darüber herleiten.

Wicht:
Übername zu mittelhochdeutsch wiht (Geschöpf, Wicht, Kobold, Zwerg); auch Herkunftsname zu dem Ortsnamen Wichte (Niedersachsen, Hessen)

Dahl:
Wohnstättenname zu mittelniederdeutsch dãl (Tal) für jemanden, der im Tal wohnte; auch Herkunftsname zu den in Nordwestdeutschland häufigen Ortsnamen Dahl, Dahle; im deutsch-slawischen Kontaktgebiet kann auch eine Kurzform zu slawischen Rufnamen wie Dalimir, Dalibor zu urslawisch *dalje (weiter) + zu urslawisch *mirþ (Friede) bzw. zu urslawisch *borti (kämpfen) vorliegen van deme Dale (1338)

Wahrscheinlich war „Hilmer Wichtendalsz“ nicht sehr groß gewesen und/oder hatte kleine Vorfahren gehabt. Außerdem stammte er aus einem Tal oder aus einem der vielen Orte namens „Dahl“. Die ursprüngliche Herkunft aus einem Ort in einem Tal ist anzunehmen. Denkbar wäre aber auch ein lokaler Bezug, auf den ich gleich noch eingehen werde.   

Erst noch zum Nachnamen „oltwerdes“. Den findet man bei „Deutsche-Nachnamen.de“ zwar nicht, dafür aber den Namen „Werder“. Da „olt“ für „alt“ steht, bleibt für die Suche nur  

Werder:
Herkunftsname zu Ortsnamen wie Werd, Wert(h), Wört(h), Werda, Werder; auch Zusammensetzungen wie Donauwörth (Bayern) kommen als Herkunftsorte infrage; auch Wohnstättenname zu mittelhochdeutsch werder (Insel), zu mittelniederdeutsch werder (Werder, Insel, Halbinsel)
  • Hermann Werder (1323)

Demnach dürfte „Hilmer oltwerdes“ der Sohn eines Mannes namens „(Olt-)Werder“ sein. So könnte sein Vater oder er selbst aus dem Dorf Altenwerder auf der gleichnamigen Elbinsel bei Hamburg stammen, die in historischen Urkunden als „Oldenwerdere“ erwähnt wird. Denkbar wäre, dass er dort die verheerende Cäcilien-Sturmflut vom 21. November 1412 – dem Namenstag der Heiligen Cäcilia – überlebte und - nachdem dort weite Teile des Landes unbewohnbar geworden waren - seiner Heimat den Rücken gekehrt und in Orle neu angefangen hat.  


Da er bereits einen Nachnamen hatte, spricht einiges dafür, dass er aus der Elbregion stammen könnte, denn laut Theodor Meyer waren diese um 1450 in der Elbmarsch bereits weiter verbreitet als in der Heideregion. Auf jeden Fall dürften er oder seine Vorfahren ursprünglich von einer Flussinsel oder -halbinsel (= Werder) stammen.  

Die Bezeichnungen „Werder“ und „Wichtendal“ findet man aber auch in alten Grenzbeschreibungen, die sich auf ein Gebiet zwischen Schmarbeck und Trauen beziehen und somit auch einen lokalen Bezug haben könnten. Auf diese Grenzbeschreibungen komme ich weiter unten noch zurück.

Wie bereits erwähnt, waren die Höfe in Orle unterschiedlichen Stellen gegenüber schatzpflichtig. Während die Höfe von (Vater) „Reder“ und von „Titeke“ dem Gericht Suderburg (in deme Sunderghude) in der Vogtei Bienenbüttel (Vogedie to Bynenbuttell) abgabepflichtig waren, mussten die Höfe von (Sohn) „Ludeke Reders“, „Hilmer wichtendalsz“ und „Hilmer oltwerdes“ ihre Steuern an den Goh Ebstorf (Ebbekestorppe) entrichten.  

Dagegen gehörte der eine Hof, den es 1450 in Kohlenbissen (Coldenbispinge) gab, wie unter anderem auch die Höfe in Munster, Trauen und Kreutzen zur Vogtei Amelinghausen (Vogedie Amelinghusen), die ab der Buchseite 12 (online 16) beschrieben wird. Dabei fällt auf, dass der Name dieser Vogtei im Schatzregister einen Zusatz trägt. Im Buch lesen wir daher: „In der Vogedie to Amelinghusen uppe der Tecche“. Die Bezeichnung „uppe der Tecche“ folgt auf der Seite 15 (19) noch einmal gesondert. Die Bedeutung dieses Zusatzes erklärt Freiherr von Hammerstein-Loxten auf Seite 95 seines Buches „Der Bardengau“, auf das ich gleich noch ausführlicher eingehen werde.  

Hammerstein-Loxten erwähnt nämlich, dass die Vogtei Amelinghausen von Lüneburg aus verwaltet wurde. Diese Verwaltung hatte ihren Sitz in der Straße „Auf der Techt“, was damals „uppe der Tecche“ genannt wurde. Diese Straße heißt heute „In der Techt“. Dort sind viele alte Häuser erhalten geblieben, die unter Denkmalsschutz gestellt wurden.  

Quellen: Google Books: Hammerstein-Loxten – Der Bardengau


Jahrbuch des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung 1880:


Wikipedia: Liste der Baudenkmale in Lüneburg – In der Techt:


     
Zurück zum Winsener Schatzregister. Zur Vogtei Amelinghausen gehörte unter anderem der Hof in Kohlenbissen. Als Besitzer eingetragen ist „Henneke“ mit ½ pl. (Plog) dt. 10 ß = 10 Schillinge). Hinzugefügt wurde außerdem: „quia pauper“ was übersetzt „für die Armen“ heißt.  Henneke leitet sich von Heinrich ab und war zu dieser Zeit ein weit verbreiteter Vorname. Im Schatzregister findet man diesem Namen laut Theodor Meyer insgesamt 362 Mal,  in den Schreibweisen „Henneke“ oder „Hennecke“. Damit ist er mit großen Abstand der häufigste darin vorkommende Vorname. Später wurde daraus eher ein Nachname und wurde als Vorname seltener verwendet.  

Aus dem Winsener Schatzregister und dem gleichnamigen Buch von Meyer haben wir ein wenig über die Menschen, die um 1450 in unserem Dorf lebten, erfahren. Wie Meyer in der „vorrede“ seines Buches schreibt, wurde er durch das Buch „Der Bardengau“  von Freiherr von Hammerstein-Loxten dazu angeregt. Daher werde ich nachfolgend näher auf dieses Buch eingehen.  

Im Jahre 1869 erschien das Buch „Der Bardengau, eine historische Untersuchung über dessen Verhältnisse und über den Güterbesitz der Billunger“ von Staatsminister Wilhelm Karl Konrad Freiherr von Hammerstein-Loxten, der u. a. Finanz- und Innenminister im Königreich Hannover und später Staatsminister von Mecklenburg-Strelitz war. Dieses Buch erweist sich als eine wahre Fundquelle für uns, da darin mehrfach der Name unseres Dorfes – in unterschiedlichen Schreibweisen – und auch der umliegenden Dörfer zu finden sind. Das Buch kann online sowohl bei Google Books als auch in der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) eingesehen werden. Über die beiden nachfolgenden Links ist es bei der BSB zu finden:  



In dieser Online-Version können die Suchwörter einzeln oder mehrere gleichzeitig eingegeben werden. Seiten über Oerrel findet man über die Suchwörter: Orle, Oerrel, Ordele, Ohrll, Oerreler oder auch „Derrel“, da die Suchfunktion in dem dort verwendeten Schriftbild das große „O“ nicht immer erkennt, da es eher einem heutigen großen „D“ ähnelt. Daher kann es bei der Suche sinnvoll sein, das „O“ durch ein „D“ zu ersetzen.  Wer nach Seiten über Trauen sucht, findet diese über die Suchwörter: Trauen, Trawen, Trewen oder Truwen.  

Bevor wir auf die betreffenden Seiten näher eingehen, noch der Hinweis zum nachfolgenden Link, unter dem das Buch bei Google Books aufgerufen werden kann. In der Suchfunktion des Buches ist bereits „Derrel“ (Das „O“ wird als „D“ gelesen) hinterlegt, so dass die entsprechenden Seiten gleich angezeigt werden. Bitte beachten, dass hier weitere Suchwörter einzeln eingegeben werden müssen.  


Nun zu den Fundstellen über Oerrel in von Hammersteins Buch, wobei zu beachten ist, dass die im Buch enthaltenen Seitenzahlen von den Online-Seitenzahlen abweichen, da online alle Umschlag- und leeren Seiten mitgezählt werden.

Das erste Mal findet man „Orle“ auf der Buchseite 153 (Onlineseite 167), auf der die uns schon bekannte Schenkung der Mechthild von Lüneburg ans Kloster St. Michael in Lüneburg kurz erwähnt wird, da es dort um die Güter geht, die die Nachfolger Heinrichs des Löwen bis zur Sachsenherrschaft 1373 veräußert haben.  


Auf der Seite 203 (217) ist Orle als eines von vielen Dörfern aufgeführt, aus denen der Abt zu St. Michaelis das Recht hatte, den „Schatz“ zu beziehen. Von Hammerstein vermutet, dass diese Dörfer bereits im Jahre 1135 in den Händen von Ministerialen (= Dienstmänner / Beamte) des Klosters waren und vom Herzog „schatzfrei“ gemacht wurden, woraufhin der Abt nun selbst den Schatz beziehen ließ. In diesem Fall würde Orle bereits 1135 existiert haben, wofür es aber bisher keinen urkundlichen Beweis gibt.  


Auf den Seiten 243 und 244 (257 und 258) sind die im Register des Lüneburgschen Landschatzes von 1450 zum Goh Ebstorf (Ebbekestorpe) gehörenden 39 Ortschaften aufgeführt. Darunter neben Orle (Nr. 35) auch Lopau (Nr. 17 Loppouw), Munster (Nr. 30), Ilster (31), Alvern (32 Alverdingk), Breloh (33 Bredenlo), Kohlenbissen (34 Kolden-Bissenpinck), Trauen (38 Truwen) und Dethlingen (39 Dethling).  


An anderer Stelle im Buch – auf den Seiten 296 (310) und 297 (311) – werden die in diesem Landschatzregister von 1450 erfassten Dörfer aufgeführt, in denen der Grundbesitzer gegenüber der Vogtei Bienenbüttel „schatzpflichtig“ ist. Als Nr. 39 ist Orle eingetragen.  


Auf der Seite 245 (259) findet man im Buch ein Verzeichnis vom 1. Mai 1574, das aus einem „Amtsbuche im Amts-Ebstorfer-Archive de 1634“ entnommen ist. Die Überschrift dieses Verzeichnis lautet: „Verzeichnis der Gohe Leuhte, so Jahrlichs deme Kloster Ebstorff Sechs tage mit der Hant zu dienen schuldig seien. Anno 1574. Am 1. May. Inn ankunfft Johann Mitd Sehl Ambtmann zu Ebstorff, also befunden worden,“ Aufgelistet werden dort die Ortschaften mit der Anzahl, der jeweils zu stellenden Männer. Von Orle waren 4 Männer zu stellen – drei und der Veestherr Heinrich Cordes. Munster 9, Kreutzen (Crötzen) 2, Trauen (Trewen) 2, Kohlenbissen (Colden Bissen) 2, Ilster 3, Alvern (Alverding) 3, Töpingen (Töbing) 5, Breloh (Breloe) 6 Männer. Außerdem aus Schmarbeck (Schmerbke) 4, Ohe 2 und aus Poitzen (Petzenn) 3 Männer.  


Auf den Seiten 261 (275) und 262 (276), die wahrscheinlich nicht über die Suchfunktion angezeigt werden, erfahren wir welche Bäume im nördlich von Oerrel gelegenen „Oerler Holtz“ gewachsen sind.  Dort wird aus dem „Amts-Ebstorfer-Erbregister von 1668 „ über das Gebiet (Mark) der „Westerholzung“ folgendes berichtet:

Der Usbruch, oder Maßbruch, die Böhde und Westerhöltzung, in Eichen, Büchen und weichem Holtze bestehend, Item Örrler Holtz, so lauter Eichen, In diesen Holtzungen hat der Bohder Hoeff bey Mastzeiten die Ubertrifft und Mastung zugenießen. (…)“

Erwähnt werden mehrere Waldgebiete, darunter auch das Oerrel Holtz, in dem lauter Eichen wuchsen. In diesen Wäldern hatte ein Hof aus dem Ort Bode (heute ein Ortsteil von Hanstedt im Landkreis Uelzen) während der Mastzeit im Herbst das Recht sein Vieh zur Mast hineinzutreiben.  

Auf der nächsten Seite 262 (276) wird der Text von 1668 fortgesetzt mit der Auflistung der Dörfer, die zum „Westerholtzungs Gerichte“ gehören. Dazu gehören unter anderem Oerrel (hier als „Ohrll“), Brambostel, Lintzel, Trauen (Trawen), Dethlingen (Detlen), Breloh und Kohlenbissen (Kollenbissen).  


Auf den Seiten 266 (280) bis 275 (289) geht es um den Goh Munster und Schmarbeck, auf denen Oerrel mehrfach erwähnt ist. Das erste Mal auf Seite 269 (283) in der Auflistung der zwischen 1559 und 1579 zum Goh Munster, dessen Grenzen mit dem Kirchspiel Munster identisch sein dürften, gehörenden Dörfer. Auf Seite 270 (284) finden wir die Zuständigkeitsregelung für die Heerstraßen aus dem Jahr 1576, worin folgendes geregelt wurde:

es seien drei Heerstraßen im Gerichte zu Munster allzeit von Alters her gehalten, als eine durch Munster und die andere von Wulfersode nach Winsen uff der Aller, und die dritte von Wulfersode nach Orle und also nach Lutterlo. Was auf diesen drei Heerstraßen geschieht, das gehört nach Winsen zu richten, was aber aus denselben geschieht, das gehet nach Ebstorff; desgleichen was in fließendem Wasserstrome geschieht, gehört nach Winsen, was aber uf steenden Wasser holle und vole zu richten, verlauft gehörige Mittel nach Ebstorff.“

Im Buch erklärt von Hammerstein anschließend den von ihm vermuteten Verlauf dieser drei Heerstraßen, von denen die „durch Munster“ führende in etwa dem heutigen Verlauf der Bundesstraße 71 zu entsprechen scheint und somit auch durch Oerrel geführt haben dürfte. Die Heerstraße von Wulfsode nach Winsen an der Aller führte über die Wegekreuzung, an der Jahre später der „Neue Heidkrug am Oerreler Moor“ errichtet wurde. Von dort über Kohlenbissen, Dethlingen und Sültingen weiter nach Kreutzen und dann in etwa dem Verlauf der heutigen Landesstraße folgend. Die dritte Heerstraße, die von Wulfsode über Oerrel und Lutterloh bis nach Celle ging, verlief nicht direkt durch Oerrel, sondern führte am zu Oerrel gehörenden Heidkrug bei Brambostel vorbei. Laut von Hammerstein war dieser Heerweg in damaliger Zeit eine Hauptverbindungsstraße. Diese Straßen waren aber alle unbefestigt und daher je nach Witterung in einem mehr oder weniger guten Zustand.  


Auf Seite 271 (285) berichtet von Hammerstein, dass der Goh Munster im Jahr 1574 nach dem bereits weiter oben genannten Verzeichnis des Goh Ebstorfs nur aus einem Veest (Gerichtsbezirk) besteht, in dem der Veestherr Heinrich Cordes in Oerrel wohnte. In diesem Gerichtsbezirk lebten insgesamt 45 Gohleute, die aus den im Verzeichnis aufgeführten Dörfern kamen. Von Hammerstein schreibt weiter, dass dieses Verhältnis auch noch im Jahr 1634 bestanden haben muss, da im Amtsbuche das Gericht Munster als das Orler Veest erwähnt wurde. Dagegen ist im Register von 1760/61 das Gericht in den Heidmarker Munsterschen Veest und in den Heidmarker Oerreler Veest eingeteilt. Im Goh Munster gab es wahrscheinlich nur einen Veest, der nach dem jeweiligen Wohnsitz des Veestherrn und somit als Veest Oerrel benannt wurde.  

Der überwiegende Teil des Grundbesitzes im Goh Munster lag in Händen des Herzogs. In Munster waren es alle Höfe – bis auf zwei, die dem Pfarrhaus zustanden. Während in Kohlenbissen, Breloh, Trauen, Poitzen und Schmarbeck alle Höfe dem Herzog gehörten, waren es in den Oerrel, Ilster, Töpingen und Kreutzen nicht alle Höfe.  


Auf Seite 272 (286) geht von Hammerstein auf die Herleitung des Namens von Munster ein und erwähnt unter anderem die von den Dörfern im Goh Munster zu leistenden Abgaben an das Stift Verden. Dabei ist Oerrel zwar nicht erwähnt, aber wir erfahren, dass z. B. Trauen (Truwen) 8 Schilling und eine Unze Aale, Sültingen (Sultinge) 3 Schilling und eine Unze Aale und Dethlingen (Dethnedinge) 10 Schilling und eine Unze Aale abgeben mussten. Alvern (Alverdinge) 15 Schilling und einen Widder sowie Ilster (Ilstere) 7 Schilling und ebenfalls einen Widder.  

Am Ende dieser und auf der nächsten Seite 273 (287) kommt von Hammerstein noch einmal auf die zur „Westerholzung“ gehörenden Dörfer aus dem Goh Munster zurück. Dazu gehören unter anderem auch Oerrel und Kohlenbissen. Etwas weiter zitiert er dann die Beschreibung des  Verlaufs der „Schnede*2) (= Grenze) dieser Holzmark, in deren Text auch Oerrel erwähnt ist. Da die gesamte Beschreibung nur aus einem einzigen „ellenlangen“ Satz besteht, beschränke ich mich hier auf einen Auszug, der bei Gerhaus beginnt und bei Ellerndorf endet:

(…) nach dem Gerhause, aus dem Bache über dem Sandtberge aver nacher dem Schmarbker Bache, ferner über den Pavetenwerder *3) weiter nacher dem Flohessahl, und uf den Sültzval, weiter nach Trawen (Trauen), Ohrele (Oerrel) in Casten Peters *4) Haus des Kesselhakens, dann außerhalb Dorfes in einen großen Eichenbaum zwischen dem Schwarzen Lande *5), worin ein Loch gehauen, weiter uf den Bohrnßschlohe nacher dem Steinsohle für den Litzer Felde, ohngefähr eines Schuß Weges davon, dann weiter aver die Heide uf Ellerndorf in den Kuhefohrt, bis in die kleine Gerdaw, (…)

*2) vom neuniederdeutschen „snêde“ für „durch den Wald gehauener Weg, Grenze, (…)“.
*3) „Pavetenwerder“ – Werder steht für Flussinsel oder -halbinsel. Manchmal aber auch für aus Moor oder Sumpf urbar gemachtes Land


*4) In dieser Beschreibung sind sehr viele Flurnamen verwendet worden, die wir heute nicht mehr richtig zuordnen können. Die Grenze verlief demnach auf dem Sülzval bis Trauen und von dort nach Oerrel. Leider werden zwischen beiden Dörfern keine weiteren Angaben zum Grenzverlauf gemacht. Anders als der Schmarbecker Bach wird die Kleine Oertze nicht als Grenzverlauf erwähnt, obwohl sie vermutlich dem Bachbett bis Oerrel folgte. Denn dort folgte sie sehr wahrscheinlich dem Weg, der heutzutage in die Straße Zur Kleinen Oertze übergeht. Dort weiter an Casten PetersHaus des Kesselhakens“ vorbei, womit dessen Wohnhaus gemeint ist. Wohnhäuser wurden so bezeichnet, da dort der Kessel an einem großen Haken über der offenen Feuerstelle hing. Mehr dazu unter „Beschreibung Wohn- und Viehhäuser“.  

* 5) Von Casten Peters Haus verlief die Grenze weiter über den heutigen Turmweg aus dem Dorf heraus bis zu einer großen Eiche, in der ein Loch eingehauen war und die im Flurstück „Schwarzes Land“ wuchs. Dieses Flurstück finden wir im Blatt 84 – Munster - der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1775und auch auf der Karte des Amtes Ebstorf von 1784 nördlich von Oerrel rechts vom „Ort Feld“. Heutzutage liegt dieses Gebiet in Höhe des Ortsschildes in Richtung Uelzen zwischen der B 71 und dem Brambosteler Weg. Mit großer Wahrscheinlichkeit folgte die Grenze dem Weg nach Lintzel, der heute die Bundesstraße ist.

Auf der Buchseite 274 (online 288) finden wir die Grenzbeschreibung der großen Holzmark Hermannsburg von 1666, in der Oerrel zwar nicht erwähnt wird. Erwähnt werden aber Trauen und viele Flurnamen, darunter „Bullenwerder“ und „Wichtendahl“, von denen sich eventuell Familiennamen herleiten lassen. Hier der für uns wichtige Teil aus der Grenzbeschreibung:

(…)oben dem Gerhuser Felde, welche alle erneuert sein, und weiter uf die Wiesen Bullenwerder, Wichtendahl zum Schmarke angehörig, bofen dem schmalen Moor over, up das Flachssol den Schmarpker Kirchwegk entlang, in die Truwen Sandtföre, aus dem Sandfördt up dem Trawen Kreiberg, von dar up den Sültenhoff vorm Hause als über die Missen vorbei. (…)

In diesem Satz wurde für „Trauen“ sowohl das Wort „Truwen“ als auch „Trawen“ verwendet, was demnach damals üblich war.  

Oerrel wird im Buch von Hammerstein-Loxten noch ein weiteres Mal auf Seite 295 (309) erwähnt und zwar in der „Uebersicht der 1795 bei Aufhebung der Amts Winsenschen Voigtei Bienenbüttel vertheilten Hoheits- und Gerichts-, auch Gutsleute“. Darin sind aus dem Amt Ebstorf unter anderem Oerrel mit 1 Person und Kohlenbissen mit 2 Personen aufgelistet.  


Auf Seite 437 (451) wird das „Bodenteicher Ampt-Register de 1569, in dem die zum „Holting upt den Buer“  (Waldgebiet im Amt Bodenteich) erwähnt, in dem unter anderem auch „Trawen, Detling und Ordele“  (= Orle) aufgeführt wurden. Von Hammerstein weist aber darauf hin, dass diese drei und einige andere dort aufgeführte Ortschaften nicht in der im Amts-Ebstorfer-Erbregister enthaltenen Beschreibung für dieses Gebiet enthalten sind. Daher vermutet er, dass die Angaben im Bodenteicher Register nicht richtig sind. Er meint, „daß man vielmehr von dort aus die nach Bodenteich pflichtigen sog. Köhlerleute jener Gegend mit in die Mark einschmuggeln wollte.“  


Ab Seite 471 (485) befasst sich von Hammerstein in seinem Buch mit den „Edlen von Boldensen“ wobei er auf Seite 474 (488) die zum „Lehn der von Meltzings“ gehörenden Besitzungen auflistet, worunter auch „1 Hof zu Orle“ genannt wird. (1795)  


Seinem Buch hat der Autor eine Karte des Bardengaues angefügt, wobei es sich dabei aber nicht um eine Originalkarte aus jener Zeit handelt. Über den 2. Link kann diese Karte vergrößert betrachtet werden.  



Das Buch  – ohne die Karte - findet man auch im „Internet Archive“.  


Damit endet unsere Spurensuche nach „Orla“ und „Orle“.  Kehren wir in die Gegenwart zurück, um uns von dort aus wieder in die Vergangenheit zu begeben.  
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